Dienstag, 7. Dezember 2010

Monatsbericht November

Und der dritte Monat geht vorbei, nun bin ich schon ein viertel Jahr in Indien und ca. vier Wochen in Pallikonda.
Tjaa, was ist passiert...
Der Kontakt zu meiner Familie ist immer enger geworden und wir haben unsere eigene Art der Kommunikation weiter ausgebaut. Mittlerweile bin ich wirklich ein fester Bestandteil der Familie, werde offiziell als Tochter, bzw. Schwester bezeichnet ;) Meine indische Mami und Schwester haben auch schon mit meiner deutschen Mutti und deutschem Papa „telefoniert“ (soweit das eben möglich ist, wenn man sich sprachlich nicht verständigen kann ;)).
Ein Zeichen der Zuneigung ist es, dass ich gemästet werde (aus 2 Dosa sind z.B.
4 Dosa plus Nachtisch geworden). Das Ziel von Arsi-Mutti ist es, dass ich so fett werde, dass ein Flug zurück nach Deutschland nicht mehr möglich ist, da die Fluggesellschaft es nicht verantworten könnte, eine Maschine mit der Menge an Übergewicht starten zu lassen.
Aber ich werde nicht nur zum Essen gezwungen, ich bekomme auch ständig etwas geschenkt, sei es was zum Essen ;) (Sweets), Seife, Haarspangen, andere Kleinigkeiten oder sogar Saris. Mir ist das schon richtig unangenehm und ich muss mir unbedingt eine Gegenleistung überlegen =)
Indien ist kein actionreiches Land (das Leben in den Dörfern ist eher das absolute Gegenteil, verschlafen und so vor sich hin dümpelnd) und so vertreibe ich mir die Nachmittage damit, Arsi-Mutti bei der Hausarbeit zu helfen, Kochen und Waschen zu lernen (hier wird die Wäsche noch auf den Boden geschlagen), ohne Grund im Haus Hin-und Herzulaufen und Priya zu besuchen. Ab und zu kann das mal etwas langweilig werden.
Indien ist also nicht deshalb ein großes Abenteuer für mich weil ich jeden Tag etwas Neues Aufregendes erlebe (das zu erzählen wäre nun wirklich gelogen), sondern deshalb, weil ich sämtlichen Herausforderungen gestellt bin (ich liste nun nur 2 auf, aber die drei Monate, die ich nun in Indien bin, haben mich schon viel gelehrt).
Sei es damit fertig zu werden, dass ich hier den Unterhaltungswert eine einäugigen, dreiköpfigen, 5 Meter großen Gestalt habe, dementsprechend angestarrt werde. Es klingt vielleicht hypersensibel, aber oft könnte ich deshalb in Tränen ausbrechen, nicht weil ich übermäßig schüchtern bin, sondern weil es mich einfach enorm stresst, warum auch immer. Aber ich kann jetzt nachvollziehen, dass viele Stars zu trinken anfangen oder Drogen nehmen (keine Sorge, ich bin trotz allem nicht gefährdet ;)).
Oder sei es, den Tag zu überstehen, ohne aus mangelnder Abwechslung einzugehen (viel zu der Langenweile trägt auch bei, dass ich an Unterhaltungen nicht teilnehmen kann und so gut wie kein Wort verstehe, wenn geredet wird). Nun könnte man natürlich sagen, dass sich jeder sein Leben selber macht und ich mir ja Abwechslung suchen könnte. Da kommen wir aber wieder zum ersten Punkt, nämlich, dass wenn ich aus dem Haus gehe, in einer Stimmung sein muss, die mir dabei hilft nicht durchzudrehen, wenn sich alles Lebende nach mir umdreht und staunt.
Kurz gesagt: es ist einfach ein Abenteuer, alleine unter Indern zu leben, von deren Sprache man ca. 20 Vokabeln beherrscht ;)
Der Unterricht in der Schule füllt mich nicht aus. Da ich kein Tamil spreche und die Kinder kaum Englisch verstehen, kann ich ihnen nicht viel Wissen vermitteln (nicht dass ich davon übermäßig viel besitzen würde ;)). Ich lese ihnen vor, sie lesen es nach und dann lasse ich sie die komplizierteren Vokabeln aufschreiben, ist eine recht eintönige Aufgabe. Ich habe zwar auch schon mit ihnen gemalt, ihnen sämtliche Körpervokabeln beigebracht (dabei habe ich übrigens auch viel dazugelernt ;)), etwas Mathe unterrichtet (dabei habe ich gemerkt, dass ich mein kleines Einmaleins mal wieder ziemlich gründlich auffrischen sollte) und mit ihnen draußen gespielt, aber man kann sich nicht jeden Tag ein neues Highlight ausdenken (dazu ist meine Fantasie dann doch zu beschränkt) und wie gesagt, großartig was beibringen kann ich ihnen nicht und das macht die Sache manchmal etwas frustrierend. Aber meine kleinen Schüler freuen sich, dass ich da bin, auch in der Schule bin ich natürlich eine willkommene Abwechslung und bei mir darf man sich einiges mehr erlauben als bei den ziemlich strengen Lehrerinnen ;)

Jaaa, was ist diesen Monat denn noch besonderes passiert...
Es gab bei uns im Hof ein großes Fest, meine Zimmer und die Küche (die ich aber nicht benutze, bin ja immer unten bei der Familie, lerne in deren Küche kochen und bin nur zum Schlafen oben) wurden offiziell eingeweiht. Das Fest sah so aus, dass von sechs Uhr morgens an sämtliche eingeladene oder auch nicht eingeladene Gäste vorbeikamen (ich schätze, dass es insgesamt vielleicht 200-300 waren), das die gesamte Nacht in riesigen Töpfen von extra arrangierten Köchen gekochte Essen verspeisten, und wieder ihres Weges gingen.
So sehen alle Feste in Indien aus. Kommen, essen, gehen. Großartig unterhalten wird sich nicht. Daran sieht man mal wieder, dass sich in Indien (fast) ALLES ums Essen dreht, ich bin hier also genau richtig ;)
Im Gegensatz zum Oktober, verbrachte ich im November so gut wie keine Zeit mehr mit dem Schuldirktor, ich sehe ihn, wenn überhaupt, nur noch in der Schule. Darüber bin ich aber nicht unglücklich, er ist mir etwas unsympathischer geworden (auch weil ich nun weiß, wie wenig Verlass auf ihn ist, was übrigens für fast alle Indier gilt, Versprechen und Ankündigungen sind hier nichts wert) und wie gesagt, fühle ich mich unter meiner Familie so wohl, dass ich gerne alle freie Zeit mit ihr verbringe.
Sonst ist noch zu berichten, dass ich hier in Pallikonda nun als Tänzerin bekannt bin. Mir wurde ein „Dancemaster“ vorgestellt, mit dem ich tanzenderweise einen Abend in seinem Haus verbrachte und halb Indien guckte zu (man sieht, dass meine Hemmschwelle gesunken ist. Was ich in Indien wirklich reichlich lerne, ist Gelassenheit). Das ist nun bestimmt 2 Wochen her, trotzdem wird da noch gerne drüber gesprochen und ab und zu werde ich auch überredet, doch bitte noch einmal zu tanzen, kein Problem, die Aufmerksamkeit habe ich ja sowieso gepachtet, ob ich nun tanze oder nicht ;)
Dann ist noch zu erzählen, dass ich mir ein Nasenpercing stechen ließ (ca. 98% der Inderinnen tragen eins und schon in Deutschland habe ich häufiger mit dem Gedanken gespielt). Ich wollte es auf der linken Seite haben, leider war ich zu nervös, um es dem Arzt zu sagen (jaa, ich entschied mich für einen Arzt und gegen das Abenteuer, mich von einer alten Inderin piercen zu lassen, da bin ich dann doch etwas zimperlich) und er stach es promt auf der rechten Seite. Eine Nacht darüber geschlafen, war ich am nächsten Morgen immer noch nicht glücklich damit, entfernte es und ließ es mir eine Woche später auf der linken Seite neu stechen. Auch da war ich am Anfang nicht zufrieden, er hatte es meiner Meinung nach zu weit Richtung Gesicht und nicht Richtung Nasenspitze gestochen. ABER WANN BIN ICH SCHONMAL ZUFRIEDEN ;) Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt =) Es tat übrigens kaum weh (okay, auf der linken Seite ein bisschen, aber beim ersten Mal merkte ich fast nichts).
Nun bin ich also ganz Inderin, trage Saris, Bindis auf der Stirn, goldene Ohrringe und Ketten (geborgt von Priya) und habe ein Nasenpiercing, was mich immer irgendwie mit Indien verbinden wird =)

Dienstag, 23. November 2010

ich im indienstyle


mein neuer sari =)

die kleinen schueler



mein arbeitsplatz...

schuelerin am essen


lunchpause in der schule, um euch nochmal zu zeigen, wie in indien gegessen wird ;)

appa beim essen


mein indischer papa beim abendbroten. dass er am tisch isst, ist eigentlich untypisch fuer indien (es wird normalerweise auf dem boden gegessen), aber meine familie hat sich mal was gegoennt ;)

Arsi-Mami


meine indische mami beim waschen

Priya und ich



im Bus, Priya ist die Tochter meiner (unter mir wohnenden) Familie

affen (fsk:ab 18)


was alles so auf meiner terrasse getrieben wird, UNGLAUBLICH!!!!

meine hausetage



meine etage, die offene tuer zeigt meinen zimmereingang

unser haus



meine etage ist die 2te, meine familie wohnt unten und ganz oben koennt ihr den ansatz der dachterrasse sehen =)

mein zimmer, nun endlich ordentlich =)


jaaaa, und rechts in der ecke stehen die fotoalben, sie werden verdammt regelmaessig angeschaut (und kommen super bei den indern an ;)

Samstag, 13. November 2010

Monatsbericht Oktober, Bilder folgen spaeter

Okay, ich werde mir jetzt alle erzählenswerten Ereignisse zurück ins Gedächtnis rufen, die im Oktober passiert sind.
Viele, viele Tage verliefen wieder ereignislos und wir hatten mit größter Langeweile zu kämpfen. Ein Lichtblick war jedoch, dass unsere Projekte endlich endlich endlich gegen Ende des Monats starten sollten, ob das jedoch klappen würde, daran zweifelte ich bis zum Schluss, weiß ich ja nun, wie das mit der Organisation und der Versprechen in Indien aussieht.
Zu meiner größten Überraschung und Freude klappte es wirklich und so brachte Prabhu mich am 27 Oktober nach Pallikonda, drei Stunden Busfahrt und wir waren da. Dummerweise hatte ich mich darauf eingestellt, mit meinen 10 Tonnen an Gepäck, in mein mir noch nicht bekanntes Häuschen zu ziehen, ich denke eben noch zu deutsch. Wir kamen also in Pallikonda an und besuchten erst einmal die Schwester der Mutter von Prabhus Frau (keine Ahnung, ob es dafür eine Bezeichnung gibt) und aßen den süßesten Kuchen, den es geben kann, alter Falter, war der süß... Während des Genusses dieses Zuckerklumpens, druckste Prabhu etwas herum und ich reimte mir zusammen, dass ich meine Wohnung erst in ein paar Tagen beziehen kann und nun die Wahl habe, ob ich bei der Schwester von der Mutter von Prabhus Frau bleiben möchte oder einen Klassenraum in der Schule vorziehe. Entgegen eurer Erwartungen entschied ich mich ziemlich genervt, ich war müde und wie gesagt, auf eine fertig beziehbare Wohnung eingestellt, gegen den Klassenraum.
Als Prabhu mich verließ, fühlte ich mich ziemlich komisch. Ich hatte zwar diesem Tag des Umzuges entgegengefiebert, nun, da ich aber endgültig alleine unter Indern war, die kaum ein Wort Englisch sprechen, hatte ich doch einen kleinen Kloß im Hals.
Am Abend putzte ich mir die Zähne mit Wasser aus einem Fischtank und ging auf eine Toilette ohne Licht, ich musste das Pinkelloch also erahnen, es war stockdunkel. Aber sowas wundert mich nicht mehr, ich habe mir schon an den merkwürdigsten Orten die Zähne geputzt und habe die widerlichsten, stinkendsten und von den seltsamsten Lebewesen bewohnten Toiletten benutzt, die manchmal kaum also solche zu erkennen waren. Und ich kann sagen, dass mich das schon abgehärtet hat, Kakerlaken, mutierte Käfer und alle Formen und Arten von Insekten stören mich kaum noch.
Am nächsten Tag konnte ich umziehen, jetzt dachte ich zu indisch, ich hatte mich auf Monate des Wartens eingestellt.
Der erste Eindruck von dem rosa Haus war grandios. Unten wohnt eine Familie und gehst du die Treppe hoch, kommst du in meinen Wohnbereich, der aus zwei Teilen besteht. Ein einzelnes Zimmer und ein paar Schritte weiter, durch eine Terrasse verbunden, eine Küche und ein weiterer Raum mit angrenzendem Balkon. Steige ich eine Leiter hoch, komme ich auf die Dachterrasse mit Blick auf einen Berg, es ist wirklich Luxus, hier wohnen zu dürfen =)
Die Küche ist leider noch nicht zu benutzen, erst Ende November kann ich mit meinen Kochversuchen starten. Ich wohne im Moment also mal wieder übergangsweise aus meinen Koffern in dem seperaten kleinen Zimmer, was mich aber null stört, mittlerweile bin ich die Koffersituation ja gewohnt und die einzige Zeit die ich in diesem Raum verbringe, ist die Schlafenszeit.
Gleich in den ersten Tagen adoptierte mich die unter mir wohnende Familie, bestehend aus Arsi-Mami und Saluratsch-Appa (=Papa). Ihre erwachsene Tochter Priya und deren Söhne Rohit (12 Jahre) und Munesch (16 Jahre), wohnen ein paar Häuser weiter, verbringen aber die meiste Zeit des Tages hier, was üblich in Indien ist, die Familien hocken ständig aufeinander und Singlehaushalte, wie sie es massenhaft in Deutschland gibt, existieren einfach nicht.
Ja, also die Familie ist gaaaaaaaaaaaaanz toll, meine Indien-Familie. Ich werde bemuttert ohne Ende und muss mich gegen diese Essenstonnen hartnäckig wehren, teilweise versuchen sie sogar, kein Scherz, mir das Essen in den Mund zu schieben und mich zu füttern, wenn sie denken, dass eine Tonne Essen nicht genug war (ich habe mir mittlerweile einen schwanger-im 14-Monat-Bauch angefuttert, wenns um die Nahrungsaufnahme geht, muss man mich nicht lange bitten)
Ich verbringe meine freien Tage und die Nachmittage nach der Schule also mit meiner Familie, die leider auch kaum ein Wort Englisch spricht, wir haben aber einen Verständigungsweg gefunden, der aus Zeichen, einigen Brocken Englisch und einigen Brocken Tamil besteht (ein paar Wörtchen beherrsche ich schon und, wen wunderts, das Wort Essen ist auch darunter, denn darum dreht sich hier fast alles ;). Ich könnte jetzt noch soooo viel über meine kleinen Familie schreiben und wie mein Leben mit ihr aussieht, aber das würde den Rahmen sprengen und vieles kann ich auch nicht erklären, ihr müsstet es erleben. (Eins noch, Privatsphäre gibt es hier nicht, du musst dich schlafend stellen, wenn du einmal alleine sein willst, alle kommen unaufgefordert in dein Zimmer, setzten sich hin und sitzen dann und sitzen und sitzen, umgekehrt kannst du dich aber genauso verhalten, es ist nicht unhöflich. Wenn ich wieder nach Deutschland zurück komme, werde ich dauernd an irgendwem drankleben, das Alleinseinwollen wird dir hier wirklich abgewöhnt, stellt euch also ab August auf eine Klette ein, die ständig unaufgefordert vor der Tür steht =)
Nun zu meinem Projekt. Die Schule ist zwei Gehminuten von unserem Häuschen entfernt, ich werde aber von dem Schulleiter, Umapathi, täglich morgens mit seinem Moped abgeholt und wir frühstücken dann zusammen in den kleinen indischen Restaurants (=Hotels, so heißen die hier, hat aber nichts mit der deutschen Bedeutung des Wortes Hotel zu tun). Dann geht es ab zur Schule und schon am ersten Tag sollte ich eine Klasse unterrichten (sollte ist das falsche Wort, es war mir freigestellt, ich kann hier alles frei entscheiden, kann immer machen was ich möchte und wenn ich einmal keine Lust aufs Unterrichten habe, kann ich mich einfach in den Lehrerraum oder nach draußen setzten und chillen). Mein Unterricht sieht so aus, dass ich den Kindern, meistens sind es 4-7 an der Zahl, auf Englisch vorlese und sie es dann nachlesen, sie sollen die richtige Aussprache lernen. Da das auf Dauer aber natürlich zu langweilig für alle Beteiligten wird, unterrichte ich auch Mathe und „Science“ (heißt, ich bringe ihnen z.B. Körpervokabeln bei, das macht Spaß, kann man interessant gestalten)
Die Schule startet nach dem täglichen Morgengebetsritual um halb elf, um halb eins ist dann Mittagspause für die Kinder, um eins Mittagspause für die Lehrer (4 Lehrerinnen gibt es an der Schule, von denen eine Englisch sprechen kann. Wenn sie, der Schulleiter und die regelmäßigen Telefonate aus Deutschland nicht wären, würde ich das richtige Sprechen verlernen, verständige ich mich doch, wie gesagt, in meinem Dorf und mit meiner Familie in einer eigenen Sprache). Nachmittags passiert meistens nicht mehr viel, die Kinder haben dann Aufgaben, die sie still erledigen und um drei ist der Schultag beendet.
Oft düse ich dann mit dem Schulleiter auf seinem Moped über die Straßen (einmal waren es wirklich 80 Kmh, ungesichert, ohne Helm, in Schlangenlinien zwischen den Lkws entlang), sei es um einen seiner Freunde (mir werden hier alle als Freunde vorgestellt) zu besuchen oder was weiß ich wohin zu fahren. Es ist aber wirklich ein geniales Freiheitsgefühl, das müsstet ihr erleben, unbeschreiblich =)
Was etwas nervt, ist die Tatsache, dass ich immer der Mittelpunkt bin, so als einzige Weiße im Umkreis von 10989838839929920200 Kilometern.
Besuchen wir Umapathis Familienmitglieder oder Freunde, reden alle in Tamil über mich, starren mich an und ich habe keine Ahnung, was sie denn nun reden. Und da man nunmal nicht ständig in der Stimmung ist, im Mittelpunkt stehen zu wollen, ist es manchmal etwas anstrengend. Das ist aber das einzig Negative (und es wird immer weniger negativ, da ich mich einfach daran gewöhne), ansonsten bin ich endlich auch innerlich in Indien angekommen und fühle mich wahnsinnig wohl und bin unglaublich froh, dass ich mich dafür entschieden habe, alleine nach Pallikonda zu gehen =)
Viele, viele spanndende und erzählenswerte Dinge habe ich euch nun vorenthalten, aber das Leben ist so anders als das in Deutschland und einiges was hier normal ist, ist für euch unvorstellbar und es zu erzählen würde nur falsche Bilder im Kopf entstehen lassen.
10 Monate bleiben mir noch und ich freue mich sehr darauf =)

Dienstag, 9. November 2010

Monatsbericht folgt

soooo, nun wollte ich meinen Monatsbericht bloggen, leider darf ich hier keinen Stick benutzten, der Bericht ist aber fertig und wenn ich ein netteres Internetcafe gefunden habe, werde ich bloggen, in ein paar Tagen werdet ihr von mir hoeren =)

Freitag, 15. Oktober 2010

und eine endgueltige aenderung

sooo, ich werde nun monatliche berichte schreiben, die woechentlichen bereiten mir, ehrlich gesagt, zu viel arbeit =P
ab naechster woche gehen die projekte ENDLICH ENDLICH ENDLICH los, mein fast-sterben wegen der langenweile wird also aufhoeren =)
ich gehe alleine nach pallikunda und werde dort eine eigene kleine wohnung haben und alleine in dem schulprojekt arbeiten. das wird die herausforderung meines lebens: alleine in einem projekt, voellig auf mich gestellt und eine eigene wohnung in indien und die verplante carina ist die hauptfigur...aber stellt euch nur vor wie selbststaendig ich wiederkommen werde wenn alles klappt ;)
(verzeiht mir meine fehlende kommasetzung und die fehlende gross-und kleinschreibung und die ganz tollen formulierungen, sitze im internetcafe und tippe diesen grandiosen text, hatte keine lust ihn vorzuschreiben =P
ihr hoert also wieder von mir wenn ich umgezogen bin und schon einige tage arbeit hinter mir habe, bis dahin *wink wink*

Montag, 4. Oktober 2010

Bild Mahabs 6



Ich liiiieeeebe dieses Bild <3

Bild Mahabs 5



Das blaue Haus hinten links war unser Hotel

Bild Mahabs 4



Jaaaaa, meine Lieben, in diesem Meer bei genau diesem Sonnenaufgang waren wir baden =)

Bild Mahabs 3


sooo dann mal der Beweis: es ist nicht nur ein Kuh-und Muellstrand, auch ein Traumstrand =)

Bild Mahabs 2


ein sehr charakteristisches Bild von unserem Strand ;)

Bild Mahabs 1



Blick aus unserem Hotel auf den Strand samt Kuh und Scheisspfuetze (in der Mitte des Strandes, etwas zu erkennen)

Freitag, 1. Oktober 2010

Eine Aenderung fuer Oktober

Sooooo, der September ist nun 'rum und im Oktober werde ich nur noch Wochenberichte bloggen, nicht dass euch langweilig wird =P

Na denn, auf gehts in den Oktober, den zweiten Monat

Tag 30, der kuerzeste Bericht, die Rueckfahrt

Die Rückfahrt stand an und wir hüpften wieder früh aus dem Bettchen.
Im Bus saßen wir statt der geplanten 2 Stunden 3 Stunden, eine Stunde standen wir in der glühenden Sonne, ein Tempelmann war überfahren worden und alles musste geregelt werden. Zum Glück hatte ich ein nettes Buch dabei (P.S Ich liebe dich ;), konnte mir also die Zeit vertreiben und habe durch das Lesen einfach vergessen, den Hitzetod zu sterben.
Tja, viel mehr gibt es wirklich nicht zu erzählen heute, da wir den Tag ausschließlich in Bussen und Zügen verbrachten und ich nicht jedesmal das gleiche erzählen möchte. Ich genoss also den gesamten Tag die vorbeiziehende Landschaft und ignorierte meinen dreisten Magen, der trotz der drei Schritte, die ich mich bewegte, einen Riesenaufstand machte.
Unsere letzte Etappe die wir nach Hause zurücklegen mussten und die wir im Bus gefahren wären, wäre ein Bus gefahren, tuckerten wir zusammengepfercht im Tuck-Tuck mit unserem Gepäck im Nacken. Aber es war eine tolle Fahrt in der Dunkelheit, so richtig indisch ;)
Zuhause gab es dann ein Abendessen, bestehend aus scharfen Nudeln (natürlich scharf) und ich füllte mir drei Teller, bis der Topf leer war, essen können hätte ich noch zwei weitere volle Teller...
Woher kam der ganze Hunger, bitte??? Aber wie Prabhu immer so schön sagt: wer Hunger hat, muss essen, richtig!!
So, das war mein Tag heute, ich schlüpfe jetzt unter mein Deckchen und werde schlummern, gute Nacht =)

Negativstes Ereignis:
- diese ganzen armen verstümmelten Menschen (mal fehlt ein Bein, mal ein halber Arm, mal das Augenlicht), die im Zug durch die Reihen laufen oder kriechen oder robben und betteln

Tag 29, Autofahrt und SHOPPEN

Und wirklich standen wir um 6 Uhr auf, schlüpften in BadeT-Shirt und Hose hinein, liefen den kurzen Weg, an der Scheißpfütze vorbei, zum Meer und ließen uns treiben, die aufegende Sonne und die schippernden Fischerboote im Blick.
Nach dem morgendlichen Bad begab ich mich auf die Hotelterasse, chillte vor mich hin und lernte Vokabeln (!!!!!!!!!!).
Um 9 frühstückten wir auf dem roof des Hotels, den Ausblick könnt ihr euch ja vorstellen. Für mich gab es einen Salt-Lassi und Toast mit einem Käseomelett (obwohl das Toast so dermaßen pappig war, habe ich es genoßen mal wieder etwas Brotähnliches und vor allem KÄSE zu essen =)
Nach dem Frühstück fuhren wir mit einem bestellten Auto zu einem noch nicht existierenden Nähmaschinenprojekt, wo wir wohl in einem halben Jahr helfen sollen, die Räumlichkeiten zu bauen (aber ich bezweifel das etwas, weiß ich ja mittlerweile wie das mit der Zuverlässigkeit der Aussagen der Inder aussieht). Wieder eine Traube Kinder um uns herum, besuchten wir in dem Dorf noch irgend jemanden, saßen hinter dem kleinen Hexenhäuschen (so sah es wirklich aus) im Garten und tranken aus Kokosnüssen, die frisch für uns aufgeschlagen wurden.
Auf der Rückfahrt stoppten wir kurz bei der Familie unseres Chauffeurs und betraten durch ein Tor das erste mal ein ziemlich großes, luxuriöses indisches Haus, das sogar von zwei Hunden (einer davon war mega-aggro) bewacht wurde. Wir warteten in einer Eingangshalle auf ziemlich edlen Stühlen auf einen Tee (ich ging davon aus, dass es Tee geben muss weil das einfach immer so ist in Indien, du bist irgendwo zu Besuch und es gibt Tee), mussten aber feststellen, dass keiner kam und so ging unsere Fahrt nach wenigen Minuten weiter.
Ein weiterer Stop wurde eingelegt und wir gingen essen, es gab zwar mein absolutes Lieblingsgericht: Parotha, aber das war so zäh und die Soße so wenig grandios wie sonst, dass ich etwas enttäuscht war und Positiverweise wenig aß.(Erkenntnis: auch in Indien gibt es weniger gutes Essen)
Wieder am Hotel, startete ich mit einer grandios guten Laune meinen gewohnten Strandspaziergang, der heute eher ein Wasserspaziergang war (so sah ich zumindest hinterher aus): ich begegnete sehr fröhlichen Frauen, die mich mit Handküsschen begrüßten, und die ich unter allgemeiner Erheiterung mit Handküsschen verabschiedete, fand diverse Kokosnüsse und undefinierbare Kakteen im Sand und führte ein kurzes Gespräch mit einem Inder, der gerade lebende Krabben auf einen Haufen schmiss, er bestätigte mir, dass diese armen Tiere sterben müssen und fragte mich, ob ich zum Abendessen kommen würde, meinen den Krabben geltenden mitleidigen Blick verstand er nicht.
Nach meine Bewegungsstunde gingen wir SCHOPPEN, und Manuela, ich stellte unsere Frauenehre wieder her und kaufte fleißig ein =) Der erste Shopbesitzer war sehr nett, wir tranken einen Tee mit ihm und ich kaufte eine lässige weite Hose (150 Rupies)und ein chices dunkelblaues T-Shirt (200 Rupies). Mit einer wunderbaren Einkaufsstimmung ging es zum nächsten Shop, wo ich eine Tasche mit dem Om-Zeichen (150 Rupien)und eine megalässige, megakomische Hose ergatterte (die muss man sehen, kann sie nicht beschreiben ^^). Auf dem Rückweg kaufte ich noch ein Mitbringsel für Catherine ein, das mir so gut gefällt, dass ich benutzen werde, bis sie es bekommt (verzeih mir Catherine =)
Wieder im Hotel, ging es kurz unter den Eimer und dann hinein in die neuen super chilligen Klamotten, die mir gleich ein neues Lebensgefühl gaben (meine gesamten mitgebrachten T-Shirts und Panjhabis waren so durchweicht von Schweiß und Wasser dass es wirklich herrlich war, mal wieder etwas Sauberes und nicht Stinkendes anzuziehen)
Zum Abendessen gab es Garnelen (für mich zum ersten Mal, es ist ja schon komisch die zu pulen, Kopf abreißen, Panzer aufknacken, versuchen keine Fühler mitzuessen, sehr glipschige Angelegenheit, aber lecker wenn man erstmal an das Fleisch herangekommen ist) und einen gegrillten Fisch. Unglücklicherweise fiel zwischendurch der Strom aus und wir mussten uns mit einer Kerze begnügen, was ja eigentlich sehr romantisch ist, in diesem Fall aber eher sehr doof, da ich mir nun sämtliche Gräten aus dem Mund pulen musste...
Zur allgemeinen Erheiterung, ich glaube ich war die einzige, die es furchtbar fand, zeigten uns die Kellner nach Beendigung des Essens in der Küche ein Hummerbecken mit lebenden Hummern. Warum diese armen Kreaturen in einer Küche neben dem Herd ihr Dasein fristen, ist natürlich offensichtlich und ich konnte die Begeisterung der andern nicht wirklich nachvollziehen...
Ronja ging zum Abschluss des Urlaubs noch eine Runde in der Dunkelheit baden und der Rest von uns guckte ihr vom gestrandeten Fischerboot aus zu. Ich blieb länger als die anderen und genoss zum zweiten mal dieses tolle Erlebnis alleine am Traumstand zu sitzen und dem Meer zuzuhören.
So beendete ich den Urlaub, denn morgen geht es in aller Frühe wieder nach Hause.

Positivstes Ereignis:
- ich habe endlich neue Klamotten =)
- es ist einfach nur schön hier =)

Negativstes Ereignis:
- Morgen fahren wir wieder =(
- die armen Hummer und Krabben =(

Tag 28, eine Bootstour und baden im Sonnenuntergang

Um unseren Urlaub richtig auszukosten, stiegen wir um 8 aus den Federn und liefen mit Prabhu in ein weiter entferntes Hotel zum Frühstücken. Nach 2 Idlis (ich lerne mich zusammenzureißen, will ich doch mein kleines Bauchröllchen weghaben und ohne Bewegung geht das ja leider nur mit Essensentzug) ging es auf große Stadttour. Wir besichtigten diverse Steintempel, liefen an einem Affen vorbei, der furchtbar geschmückt und bemalt und an den Händen zusammengekettet war, er erinnerte mich an Tanzbären, schrecklich!!!, und ignorierten verdammt nervige Postkartenverkäufer, die nicht locker ließen und uns unbedingt etwas verkaufen wollten.
Da ich ja leider ziemlich dumm und bescheuert bin, vergaß ich mich einzucremen, wozu auch bei 40°C und einer Sonne, die 10000000 Kilometer näher als normal an der Erde zu liegen scheint, holte mir also einen ziemlich ansehnlichen Sonnenbrand, ich schätze, Verbrennung 10 Grades.
Die Tour beendeten wir dann trotz der Hitze (ich habe noch niemals so geschwitzt in meinem Leben) ohne Todesfall, konnten also alle das Mittagessen genießen, das aus einem leckeren Fisch mit Reis bestand, wobei der Fisch so fettig gebraten war, dass man den eigentlichen Geschmack etwas erraten musste.
Obwohl ich mich mal wieder nicht überfressen hatte (war ich stolz auf mich), schrie mein Körper nach Bewegung, ich tat ihm den Gefallen und startete einen zweiten Strandspaziergang, bei dem ich, da fast keine Menschen unterwegs waren, sogar einige Joggschritte einbauen konnte =). Mensch Leute, ich wandere hier am indischen Ozean entlang, ist das nicht schön!? =)
Es folgte eine Bootstour. Mit 2 Fischern fuhren wir bestimmt eine halbe Stunde hinaus ins offene Meer und genossen den Blick auf den unendlichen Ozean und den immer kleiner werdenden Strand. Als ich dachte, dass wir bestimmt bald in Australien ankommen, hielt das kleine Fischerboot und wir konnten baden gehen, war das urig, nur Wasser um uns herum, stürzten wir uns in die Fluten, schwammen neben dem Boot und wurden von fiesen kleinen Würmchen gepiekt.
Unsere Rückfahrt führte uns über einen Unterwassertempel, sehr beeindruckend. Vom Boot aus konnten wir die riesigen Felsen im Wasser sehen, die allerdings auch dazu führten, dass das Wasser hier ziemlich wellig war, was mich etwas seekrank machte. Trotzdem war es toll, über so einen geheimnisvollen Tempel geschippert zu sein.
Wieder an Land, hatten Ronja und ich noch nicht genug vom Wasser und badeten im Sonnenuntergang, dabei dachten wir an euch, die jetzt in Deutschland frieren und ihrer Arbeit oder der Schule oder dem Studium nachgehen und fleißig lernen müssen (ich finde es ist mal an der Zeit euch die Realität deutlich vor Augen zu führen ;). Leute, das war sooooo schön, die wechselnden Himmelsfarben, das durch schwindendes Sonnenlicht beschienende Meer und wir mitten in ihm, wie im Traum, echt...
Zum Abendessen gab es für mich, passend zur Strandsituation, einen Papayalassi, der einfach lecker war.
Heute beendete ich den Abend alleine auf einem gestrandeten Fischerboot direkt am Wasser, sehr romantisch, du sitzt im Mondschein, ansonsten herrscht vollständige Dunkelheit und du hörst nur das Rauschen des Meeres.
Meine Entspannung war allerdings vorbei, als am Himmel ein rotes Licht erschien, das sich zu einem Feuerball entwickelte und immer größer wurde. Mein Entsetzen wich Erleichterung, als mir klar wurde, dass das der Mond war, aber warum bitte erscheint der Mond knallrot und urplötzlich in der schon dreistündigen Dunkelheit am Himmel und versucht einen grandiosen Sonnenaufgang nachzumachen???
Naja, es war kein auf die Erde zurasender Asteorid und so kann ich nun entspannt ins Bett gehen, wir haben morgen Großes vor, wollen um 6 Uhr mit der aufgehenden Sonne aufstehen und baden gehen, mal schauen was draus wird ;)

Positivstes Ereignis:
- es ist einfach ein wundervoller Urlaub =)

Tag 27, Reise nach Mahabs, ein Traumurlaub beginnt

Heute starteten wir also zu unserer zweiten großen Indienkennenlernreise nach Mahabs/Mammalipuram oder auch Mahabalipuram, drei Namen, ein Ort.
Aufgestanden um sechs Uhr, wurde zur Stärkung noch ein Tee im Hotel (man kann es so schön durcheinanderbringen, aber wie gesagt ist in Indien ein Hotel ein Restaurant) getrungen und ab ging es zur Bushaltestelle. 2 Sekunden gewartet, kam der Bus auch schon angebraust. 20 Minuten Fahrt (die ich in weiser Voraussicht im Stehen verbrachte, wusste ich doch, dass uns ein Tag erwartet, den wir sitzenderweise in Bussen und Zügen verbringen würden) und wir waren in Bangarapet. Erstes Zwischenziel erreicht, wurde das Gefährt gewechselt und wir stiegen in unseren Zug nach Chennai. Vier Stunden Fahrt (ein Glück hatten wir Sitzplätze, und ein Glück war ich meiner weisen Vorraussicht gefolgt), in denen ich natürlich auch einmal auf Klo musste. Tja, mit Zugtoiletten ist das ja immer so eine Sache, aber irgendwann ging es einfach nicht mehr anders, ich MUSSTE es riskieren. Etwas ängstlich die Klotür aufgemacht, empfing mich ein wirklich grandioser Gestank, boa war der grandios...Ein Glück war es eine indische Toilette, also ein Loch im Zugboden (ein wirkliches Loch, du konntest zusehen, wie der Inhalt sich auf die Gleise verabschiedete), sodass ich mich nirgends raufsetzen musste, viel ekliger ging es trotzdem nicht mehr, war doch der halbe Boden mit interessanten braunen und bräunlichen Farben übersäät...
Nachdem unsere Zugfahrt endlich beendet war (Zugfahren ist ja eigentlich sehr schön, aber nicht wenn man eingequetscht stundenlang an einem Fleck verharren muss...), waren wir also in Chennai. Einen Weg durch den völlig überfüllten Bahnhof gebahnt, kamen wir an die frische Luft. Nein, streicht das frisch, stellt euch die stickigste schwülste und heißeste Luft vor, von der ihr denkt, dass sie gar nicht existieren kann. Mein Gott, war das heiß!!! Wir hangelten uns also von Schatten zu Schatten und liefen gleichzeitig Prabhu hinterher, der uns zu unserem nächsten Bus führte, der, wie ihr euch denken könnt, etwas warm war und ganz leicht überfüllt. 2-3 Stunden fuhren wir, zwischendurch gabs eine Mittagspause im Hotel (war das viel Essen, ich meine, ich esse ja wirklich anständig, aber man konnte kaum sehen, dass ich etwas angerührt hatte), am Strand entlang. Jaaaaaa, wirklich am Strand entlang, war das eine tolle Aussicht, ein richtiges Urlaubsfeeling: weitläufiger Strand und am Horizont konntest du sehen, wie sich Himmel und Wasser trafen.
Irgendwann war auch diese Fahrt beendet und wir erreichten unser Hotel: ein wunderschönes Hotel am Fuße des Strandes mit Meerblick, in Deutschland wäre es unbezahlbar gewesen, hier bezahlten wir pro Doppelzimmer pro Nacht umgerechnet 7€.
Um uns von der strapaziösen Anreise (insgesamt waren wir wohl 8 Stunden unterwegs) zu erholen, war unser erster Weg der ins hoteleigene Restaurant, zu allen Seiten offen und natürlich mit Blick aufs Meer. Ich bestellte ein erfrischendes Wasser und begutachtete den Strand: Müll, Müll, Müll, Kühe, Hunde und eine undefinierbare Riesenpfütze, von der ein netter Gestank ausging, ansonsten ein sehr schöner Strand ;)
Nach kurzer Enspannungszeit mussten wir natürlich das Wasser testen (der indische Ozean, meine lieben Leute) und gingen baden. Ich erwartete trotz der Hitze eine erfrischende Wassertemperatur, gut, da lag ich voll daneben, das Wasser hatte in etwa die Temperatur der Luft(gefühlte 40°C), war also null erfrischend. Die Wellen waren aber super spaßig und so badeten wir bestimmt eine halbe Stunde im T-Shirt und kurzer Hose (sogar im Wasser darfst du in Indien als Frau keine Haut zeigen).
Für die anderen ging es anschließend zum Abendessen ins Hotel, ich startete einen Strandspaziergang. Im Dämmerlicht spazierte ich vor mich hin, genoß das Urlaubsgefühl und sammelte einige sehr exotisch aussehende Muscheln.
Den Tag ließen wir dann alle zusammen auf unserer Hotelterasse ausklingen. Wasserrauschen und eine mittlerweile sehr angenehme Luftbrise, wurde dieser traumhafte Zustand nur nurch diese undefinierbare Pfütze mitten auf dem Strand getrübt, die sich als Scheißpfütze herausstellte (wir konnten es zweimal hautnah live miterleben), aber da das natürlich noch nicht eklig genug ist, erzählte Prabhu uns, dass es nicht nur eine öffentliche Toilette ist, sondern ebenfalls der Kloabfluss von den Hotels hier endet, grundgütiger, mitten am Strand, und wir laufen einen Weg dort hindurch, um ans Meer zu kommen...
Aber die Pfütze, die ganzen Tiere (eigentlich nicht die Tiere, eher ihre Ausscheidungen) und der Müll, sind das einzige Manko dieses Strandes, der ansonsten wirklich traumhaft schön ist.
So, ich bin todmüde und mein Tag ist nun beendet, gute Nacht.
Achso, unser Hotelzimmer ist ebenfalls nett, erinnert mich etwas an die in Spanien oder der Türkei (also nicht dass ich da schonmal gewesen bin, aber ich denke, dass sie in etwa so aussehen)

Positivstes Ereignis:
- Traumhotel
- viele viele Weiße am Strand, gibt ein heimatliches Gefühl
- wir machen Urlaub am indischen Ozean =)

Negativstes Ereignis:
- die wahnsinnige Hitze
- die kräftezährende Anfahrt

Tag 26, Kirchenbesuch und gewaschene Fuesse

So, heute fasse ich mich kurz, mir geht’s nicht so gut und ich habe null Lust zum Schreiben...
Da heute Sonntag ist, gings wieder ab ins Hotel zum Frühstücken, es gab also wieder suuuuuuper lecker Parota (das Beste überhaupt, da kommt auch kein Chapati gegen an).
Satt und zu voll ging es dann im von Amu bestellten Tuck Tuck (man wäre ich gerne gelaufen...) zur Kirche. Frauen rechts, Männer links, horchten alle dem Gottesdienst, der auf Tamil gehalten wurde (wir verstanden also nicht mehr als nichts), schade, ich hätte gerne gehört, was in einer indischen Kirche gepredigt wird. Es lief aber wesentlich lockerer ab als in Deutschland, sämtliche Kinder saßen auf dem Boden (wir übrigens auch), die sich natürlich auch mal bewegten und doch recht laute Geräusche von sich gaben. Nitin (Sohn von Prabhu und Amu) war das aktivste Kind und er wanderte super fröhlich mal hier hin mal dorthin, machte sich mit so ziemlich jedem Kirchenbesucher bekannt und erst als er das Mikrofon entdeckte und anfing am Kabel zu zupfen, wurde etwas unternommen.
Als alles vorbei war, gab es im Kirchenhof noch Essen umsonst, für jeden.
Zu Fuß ging es zurück und Ronja und ich starteten einen Spaziergang. Ich stapfte lässig durch eine Pfütze mit undefinierbarem Inhalt (schwarzer Schleim..), setzte meinen Gang also mit widerlich klebrigen Füßen fort und wurde promt einige Minuten später von einer älteren Frau angehalten, die es sich nicht nehmen ließ, mir die Füße zu waschen, gott war mir das unangenehm, aber alles „ohhh, noo, you don't have to do this“ und „ok, thank you, really, it's enough“ nützte nichts (ich glaube sie verstand kein Englisch) und sie wusch und wusch unter den Augen sämtlicher Familienmitglieder, bis meine Füße neu erstrahlten.
Nachdem wir uns etwas verirrt hatten, fanden wir den rechten Weg wieder, Ronja verließ mich und ich stapfte weiter zur Stadt, mit einer ziemlich guten Laune (was Glück war, sie wechselt sekündlich, es ist so anstrengend, ich zu sein).
Wieder hier, gammelte ich etwas (so viel ungewohntes Laufen in der Megahitze schlaucht echt), ging zwischendurch mal aufs verstopfte Klo und ließ die Zeit so vor sich hin laufen bis es ans Gemüseschnippeln ging, heute gab es lecker von uns zusammengewürfelten Gemüsesalat mit Yoghurtdressing zum Abendessen. Ich fürchte jedoch, dass mir der unkontrollierte Fruktosekonsum (ich ernähre mich ja fast ausschließlich von Obst) doch nicht so gut bekommt, ich muss mich also zusammenreißen oder die Konsequenzen in Kauf nehmen, worauf ich aber recht wenig scharf bin...
So, morgen geht’s mit Prabhu auf große Tour nach Mahabs und das bedeutet, dass wir um 6 aus den Federn müssen. Ich begebe mich also gleich ins Bettchen und wünsche euch einen netten Abend =)

Negativstes Erlebnis
- Erkenntnis, dass ich Obst wohl doch nicht in wahllosen Mengen in mich hineinstopfen darf

Ziele:
- innere Gelassenheit erwerben (das ständige Gestarre der Inder ist eine gute Möglichkeit zum Üben) und meine Launen in den Griff bekommen

Tag 25, Chapatis

Ein weiterer Tag geht dem Ende entgegen.
Es ist ähnlich viel passiert wie in den letzten beiden Tagen. Aufstehen, Frühstücken (es bestand bei mir heute aus 1,5 Bananen, einem viertel Stückchen Granatapfel, einigen Weintrauben und Ende), Morgengymnastik (ich glaube an ihr liegt es, dass ich meinen Appetit nun im Zaum halten kann, positiv hinzu kommt, dass ich mittlerweile wirklich gelenkig geworden bin).
Ein großer Spaziegang folgte, der uns auf den von mir und Ronja schon inspizierten Berg führte (ihr erinnert euch: die Texaslandschaft). Ich missachtete die einfachen Wege, wollte zur Abwechslung mal wieder etwas Spaß haben, und kletterte die Steilwände (überlest einfach meine Übertreibungen) hoch.
Kurz die weitläufige Aussicht über die halbe Welt genossen, stapften wir wieder hinab (selbst aus meinen Händen lief der Schweiß und mein T-Shirt bekam an den seltsamsten Stellen nette dunkle Verfärbungen, es wird langsam echt kochend heiß hier) und gut durchnässt ging es auf den Bahngleisen entlang, was kein Problem in Indien ist, es ist ein angesehener Fußweg, wieder nach Hause.
Weiterer Tagesverlauf: lesen, krampfhaft nach einer sinnvollen Tätigkeit suchen (natürlich ohne Erfolg, das Ergebnis ist meistens Lesen), dösen...
Die anderen gingen noch in die Stadt um ihre maßgeschneiderten Panjhabis abzuholen, wie ihr ja wisst, brauchte ich das nicht, ich blieb also hier und ließ mir von Lataka ganz genau zeigen, wie man Chapatis macht.
Natürlich schrieb ich hinterher alles haargenau auf, damit ich es allen Chapatibegeisterten, die von meinem Chapatifieber angesteckt wurden, nach meiner Heimkehr (die nur noch 11 Monate dauert, krass, ein Monat ist schon fast 'rum) vorkochen kann.
Natürlich habe ich vor, noch viiieeeel mehr Rezepte und Küchenkniffe zu lernen, ich sag euch, das macht mehr Spaß als das Essen selbst.
Da ich ja wahnsinnig viel Zeit habe, habe ich auch angefangen und es gleich fertiggestellt (es besteht aus 6 Rezepten...), ein kleines Indischkochbuch zu übersetzten (der Ehrgeiz mein Englisch zu verbessern ist nach wie vor ungebrochen, und nicht dass ihr denkt, ich hätte aufgehört Harry Potter zu lesen, neeee, da bin ich gut dabei).
Wenn alles so läuft wie ich mir das vorstelle, komme ich als durchtrainierte und muskulöse, exzellente Köchin mit einem englischen Vokabelschatz, der alle existierenden Vokabeln enthält, zu euch zurück =)
So, das war mein Tag heute. Meine Berichte werden immer kürzer, aber es passiert auch immer weniger, ich hoffe das ändert sich sehr bald, ich will etwas Sinnvolles tun!!!!!!!

Negativstes Ereignis:
- keine Änderung des Tagesverlaufes in Sicht
- das Nichtstun macht müde und schlapp

Positivstes Ereignis:
- ich habe ein Ziel: Kochen lernen (vielleicht folge ich ja doch Sinas beruflichem Werdegang und werde wie Oma zu einer Köchin und Bäckerin mit Qualitäten, die nur ein Wort beschreibt: perfekt!!!!!)

- mein Englisch wird stetig besser, ich muss nur dranbleiben und Durchhaltevermögen zeigen =)

- ich bin überrascht über mich selbst, dass ich mein Sportprogramm bis jetzt durchgezogen habe und sich echte Fortschritte zeigen, das motiviert =)

Tag 24, wieder fuer Hardcore-Leser: Fortsetzung von gestern

Soooo, dann schreibe ich mal wieder drauflos...
Der Tag startete früh um 10 Uhr, was Prabhu entschied (auf solche Ideen kommen wir von selbst natürlich nicht), da er sich nach unserem Frühstück mit uns unterhalten wollte. Daraus wurde selbstverständlich nichts, wir hätten auch zwei Stunden länger schlafen können, was aber langsam auch langweilig wird, deshalb trauerte ich dem verlorenen Schlaf auch nicht nach.
Letztendlich setzten uns kurz vor dem Mittagessen mit unserem Leader zusammen (wir saßen wirklich auf Stühlen, war schon fast ungewohnt) unter unseren Schaukelbaum in den Schatten (es wird konstant heißer und die Sonne immer garstiger) und legten los. Wir wurden gefragt an welchem Projekt wir gerne arbeiten würden, Antwort im Chor: am liebsten in Pallikunda, aber wir würden auch gerne hier bleiben, also eigentlich ist es egal. Coolerweise scheint die Schule in Pallikunda wohl doch zur Auswahl zu stehen, Prabhu ist manchmal etwas verwirrend, aber ich meine das herausgehört zu haben. Naja, hier fühle ich mich mittlerweile recht so wohl, dass ich ich auch kein Problem damit hätte, hier zu bleiben.
2 Möglichkeiten (das Internat in Tamil-Nadu schneidet im Vergleich am Schlechtesten ab, deshalb geht da wohl keiner hin) heißt 2 verschiedene Wege und kein Mensch weiß wo sie hinführen.
Unser momentaner Weg heißt Stillstand. Um unsere Langeweile zu vertreiben und etwas für die Gesundheit zu tun, gingen wir nach dem Mittagessen spazieren.
Das Essen verspeisten wir heute zum ersten Mal mit der gesamten Prabhu-Familie, es war der Todestag von Amus Bruder, der 11jährig, also schon vor etlichen Jahren, ertrank. Wir saßen also heute nicht auf unserem Boden sondern auf dem Familienboden und speisten von Bananenblättern Reis und Hühnchen (zu meiner Schande muss ich wieder gestehen, dass ich es erneut gegessen habe...)in scharfer Soße.
Nachdem wir dann noch eine Weile vor dem mit Blumen geschmückten Foto des ertrunkenen Kindes, unter dem sämtliche Nahrung lag, Bananen, unser Mittag, Nüsse..., standen, brachen wir zu unserem großen Walk auf, der uns auf einem seltsamerweise fast menschenleerem Weg, vorbei an auf elektrischen Leitungen kletternden Affen und einer Kirche führte. Ziel des Leistungssports war die Stadt. Mit viiieeeel Obst (unser Obsthändler ist super sympathisch, heute erließ er mir sogar 20 Rupies, wobei ich natürlich nicht weiß ob wir grundsätzlich mehr bezahlen, aber das glaube ich nicht)machte ich mich auf den Heimweg und geriet in einen bombastischen Regenguss. Intelligent wie ich bin, stellte ich mich zu 2 Ziegen in einen Hausvorsprung und waretete und wartete und wartete. Der Regen hatte richtig Freude am Dasein und so lief ich nach gefühlten 4 Stunden weiter, nachdem eine Ziege anfing an meiner Obsttüte zu schnüffeln. Es regnete zwar nur noch leicht, dennoch bemerkte ich auf der Hälfte des Weges dass meine Bluse ziemlich durchsichtig geworden war, woraufhin ich in etwas verkrampfter Haltung weiterstapfte und nach Stunden Zuhause ankam. Mal wieder Stromausfall, gammeln wir seitdem bei Kerzenschein vor uns hin und ich konnte mich dazu aufraffen, Tagebuch zu schreiben. Der Joghurt ruft und euch einen guten Appetit beim Abendbrot.

Positivstes Ereignis:
- ich will nicht voreilig sein, aber ich glaube ich fange, an mich in unserer kleinen Gruppe wohl zu fühlen-> ich lerne Teamfähigkeit

Tag 23, nur fuer die Hardcore-Leser: Langeweile in Indien

Heute war ein Tag an dem die Ereignislosigkeit, mit viel Abstand zu anderen Geschehnissen, seinen Verlauf dominierte. Mein Gott, war das langweilig. Aufgestanden, Frühsport, Frühstück (wieder lecker Joghurt mit Zuckerkokos und Früchten), noch mal Frühsport, den Schweiß abgeduscht (ich mach hier ja kein Yogaweicheiprogramm) und dann hieß es warten. Ich wartete darauf dass irgendetwas passierte. Nach stundenlangem Warten war es dann zu meiner größten Freude soweit: es kam Wasser.
Wir legten los: Krüge füllen, unsere blaue Wassertonne füllen und joa, das war es dann wieder. Mich hatte jedoch der Tätigkeitstrieb gepackt und so verzichtete ich darauf mich von der zährenden Arbeit zu erhohlen und schaltete die Waschmaschine an. 15 nervenzährende Minuten wartete ich darauf dass der Waschgang endlich beendet war, damit ich mich der nächsten sinnvollen Tätigkeit, Wäsche aufhängen, widmen konnte. Völlig dem Arbeitsfieber verfallen, ruhte ich mich nicht aus, neeeiiiiin, ich schloss die Wasserpumpe an, um Wasser aus unserem Gartenbrunnen in unsere Badezimmertonne zu pumpen. Auch das dauerte nur 2 Minuten. Ich sags euch, dieser Donnerstag wollte einfach nicht interessant werden und auf gar keinen Fall enden. Ich entschloss mich also dazu, Eigeninitiative zu zeigen und selber pepp in den Tag zu bringen: ich lief nicht nur von der Stadt zurück, ich lief auch hin.
Internet, Obst gekauft, Rupies vom Portemonnaie aufs Handy übertragen, zurückgelaufen.
Ich sag euch noch was: ein wirklich-überhaupt-nichts-tun-Tag ist gar nicht gut für die Stimmung. Aber es gibt immer etwas auf das man sich freuen kann, bei mir war es das Abendessen. Chapati mit Tomatochatney. Ich tunkte diese leckere Mehl-Wasser-Salz-Öl Zusammensetzung zusätzlich in Joghurt, was unglaublich köstlich war, eine super Kombination.
Ich hoffe dass unser Strom, er ist mal wieder extrem launisch, diesem ereignisreichen Tag zumindest die Change gibt, nett auszuklingen, gegen ein Filmchen hätte ich nichts einzuwenden.
Ich hoffe euer Tag war ebenso schön wie meiner, auch wenn nicht, wünsche ich euch eine gute Nacht.

Negativstes Ereignis:
- das liegt auf der Hand, der gesamte Tag ;)

Tag 22, Ehrung und Jahrmarkt

So, heute missachte ich meine Schreibblockade und schreibe ohne zu denken...
Der Tag begann endlich mal wieder mit Ausschlafen. Das nutzte ich aus und schlummerte bis halb 11, richtig wach war ich zwar nicht, stand konsequenterweise trotzdem auf und schloss mich der Morgengymnastik der Anderen an. Mit gestärkten Muskeln ging es ans Frühstück, lecker Joghurt mit Obst (bin ich froh dass meine Fruktoseintoleranz scheinbar doch keine Fruktoseintoleranz ist). Die lange Nacht schien mir nicht bekommen zu haben und so legte ich mich nach der Vitaminbombe wieder ins Bettchen, wo ich die Zeit bis zum nächsten Essen verbrachte.
Nach dem Mittag passierte dann auch mal was, wir gingen mit Prabhu zu Pascals Schule (die schon vor einiger Zeit aus 300 Schulen im Umkreis von KGF als die beste ausgezeichnet wurde), saßen einige Zeit in einem Klassenraum bei der Direktorin (die Kinder die sie gerade unterrichtet hatte freute das sehr), Prabhu unterhielt sich mit ihr und wir warteten mit Rosen in der Hand und hatten keine Ahnung worauf(wie das in Indien immer so ist).
Irgendwann startete das worauf wir scheinbar warteten: die Direktorin wurde von Prabhu mit einem Tuch geschmückt und er überreichte ihr einen Plastikpokal und 2 Fotos, die sie ebenfalls bei einer Ehrung zeigten. Ich war die Auserwählte, die ihr die Rose zuerst zu überreichen durfte (was mich etwas überforderte, ich stand einige Zeit mit meine Blume in der Hand verloren vor ihr). Als es die anderen mir nachgetan hatten, wurden mind. 30000 Fotos gemacht, im Klassenraum, auf dem Schulhof, mit den Kindern, (mir wurde bewusst wie klein diese Schule ist, alle Schulkiner waren versammel und es waren höchstens 30) ohne Kinder. Nachdem die Kleinen uns noch ewig belagerten (wir durften wieder unendlich oft unsere Namen sagen, mittlerweile dürften wir die nie mehr vergessen, den Kindern die Hand schütteln, ihre Händchen halten und sie hochheben) liefen wir einen Schleichweg (hier habe ich das erste Mal auch kleine Schweinchen gesehen) zurück nach Hause.
Der Schulbesuch war aber nicht das einzige Tageshighlight, wir fuhren noch in die Stadt, wo Pascal uns einen Jahrmarkt zeigte. Naja. Gut. Einmal drübergelaufen (nachdem wir jeder 10 Rupies Eintritt bezahlen mussten), muss ich es als Highlight streichen. Es gab vielleicht 3 Buden, wo du Schmuck und 3 Buden wo du alles Mögliche (z.B Klobürsten und Wattestäbchen) kaufen konntest. Bei einer Bude konntest du furchtbare Sachen gewinnen, du musstest Tischtennisbälle in nummerierte Fächer rollen lassen und hattest das Glück, je nach Höhe der Ziffern die du getroffen hast, wurde es wohl „wertvoller“, auf jeden Fall etwas zu gewinnen (Marie gewann einen schrecklichen Plastikkleiderhaken). Ein, zwei Stände boten noch Essen an und abgesehen von 3 winzigen Fahrgeschäften und einem Riesenrad, was so dermaßen schnell war, dass ich mich, auch wenn es ganz witzig aussah, dort unter Berücksichtigung der indischen Sicherheitsstandarts niemals reinsetzten würde, war der Jahrmarktbesuch beendet. Tja, diesen Ausflug kann man überflüssig nennen, aber gut, ich weiß jetzt, dass ich hier Radiergummies in Form von Nüssen, Beeren und Chili kaufen kann, die Mama als Mitbringsel gefallen könnten.
Gut, soviel zu unserem Tag heute, den wir gleich mit einem Filmchen beenden (ein Glück hat der Strom eben wieder beschlossen zu funktionieren)

Negativstes Ereignis:
- ich schäme mich, weiß ich doch wie die Hühner hier leben müssen und habe ihr Fleisch trotzdem zum Mittag gegessen, ich will es in Zukunft vermeiden.

- wir haben erfahren, dass uns die Schule in Pallikunda doch nicht zur Auswahl steht, da Prabhu die Wohnung zu teuer ist, sehr schade, ich glaube ich hätte mich für dieses Projekt entschieden.

- die Erkenntnis, dass du Strom brauchst um einen Film gucken zu können, dieser aber oft keine Lust hat zu funktionieren. Es ist sooo gemütlich den Tag vor Maris Laptop liegend ausklingen zu lassen...

Positivstes Ereignis:
- der Strom läuft wieder, wir können gucken =)

Mittwoch, 22. September 2010

Tag 21, Schulbesichtigung in Pallikonda

Auf die gestrige Schulbesichtigung folgte heute eine weitere. Um halb 8, ich hatte Dank des fürchterlichen Berichtes Gestern eine sehr kurze Nacht, ging es auf nach Pallokonda. 3 Stunden Fahrt, wir schliefen, guckten uns unter indischer Musik die Landschaft(es ging in die Berge) und Dörfer an, Prabhu fütterte Affen mit Bananen und Mohrrüben (waren die Affen gefräßig und flauschig, einige trugen auch ihre Babys am Bauch) und nachdem wir noch einen Frühstücksstop bei einem grandiosen Restaurant eingelegt hatten, waren wir da.
Zuerst wurde Marias (die Ex-Freiwillige, die wir noch kennen gelernt hatten) ehemalige Wohnung besichtigt, sehr nett, allerdings erfuhren wir hinterher, dass wir da nicht wohnen werden, da die Vermieterin wohl gerne in ihren Preisvorstellungen schwankt und diese grundsätzlich eher am Steigen sind. Frage also: warum waren wir da? Auf konkrete Fragen gibt Prabhu allerdings nicht immer konkrete Antworten (er ist ein nettes, aber schwer zu beschreibendes Kerlchen), deshalb weiß ich den Grund bis jetzt nicht...
Weiter ging es zu der Schule (sie liegt an einem Berg, der vielleicht bald mein Berg sein wird...), die mir inklusive der Kinder, die die selbe Altersstufe hatten wie die Internatler gestern, sehr sympathisch war. Super klein, mit drei Klassenräumen, die ohne Türen ineinander übergehen, war die Besichtigung in 5 Minuten beendet, wir rauschten durch die Klassenräume, sagten in jedem, wie es sich gehört, freundlich „hello“, und gingen, Interessanterweise ohne einen Chai getrunken zu haben, von dannen.
Wieder ab ins Auto, fuhren wir schläfrig (Stunden im Auto zu verbringen ist auf Dauer so wahnsinnig langweilig, auch wenn es immer was zu sehen gibt) zu einem Tempel. Und das habe ich mir anders vorgestellt.
Wir gaben die Schuhe ab und gingen barfuß durch Gittergänge, die mich an die ins Zeltinnere führenden Gänge für Zirkustiere erinnerten, in einen Warteraum, dessen ca. 100 Plätze schon fast voll besetzt waren. Die Zeit konntest du dir mit Popkorn-oder Eiskaufen- und essen vertreiben, wir warteten aber ohne diesen Genuß und so ging es nach 10 Minuten mit leerem Magen durch weitere Gittergänge und an Sicherheitskontrollen vorbei, zum Tempel, der wie eine Spirale aufgebaut ist, die du einfach entlang wanderst, vorbei an Schildern mit Weisheiten, Essensangeboten (finde ich in einem Tempel fehl am Platz) und Brunnen, in die du, würdest du die Verbotsschilder befolgen, nichts hineinwerfen darfst, was allerdings jeder tut (der gesamte Wassergrund ist voll mit Armreifen, unzählige Münzen, sogar Kreditkarten...).
Um die Tempelspirale näher zu beschreiben: Sie ist ein zu beiden Seiten offener Gang, um den herum eine idyllische Gartenlandschaft angelegt ist. Nach einigen Minuten Spiralelaufens kommst du zu einem Gebäude aus Gold, in dem eine geschmückte Statue steht, die du gegen Bezahlung anbeten darfst. Gesegnet wirst du auch ohne Geldabgabe und so liefen wir mit derselben Menge an Rupies im Portemonnaie die Spirale wieder zurück, über teilweise kochendheiße Fliesen (Pallokonda ist um bestimmt 10 Grad heißer als KGF, es waren also ca. 35 Grad, erwähnenswert ist noch, dass es gerade „Winterzeit“ist...).
Ja, wie gesagt, habe ich mir einen richtigen Tempel anders, eher kirchenähnlich vorgestellt, bin also etwas enttäuscht, auch wenn das „Gebäude“ an sich, besonders das goldene, die Größe, der Garten und die ganzen Leute, auch die ganzen betenden Leute, mich schon beeindruckt haben. Aber um es mit einem Wort zu beschreiben, es ist unübersichtlich.
Wieder am Eingang/Ausgang angekommen, schlüpften wir mit verbrannten Füßen in unsere Schuhe, kauften noch Wasser ein, das wir erst nach minutenlangem Handeln für den richtigen Preis (wollte er nicht wirklich 8 Rupies mehr haben, hielt uns wohl für dümmliche Touristen...) bekamen, stiegen ins Auto, und fuhren zu unserer möglichen zukünftigen riesengroßen Wohnung (2 Schlafzimmer, ein Bad mit zusätzlich einem echten Klo, eine Küche, ein Raum zum Beten und ein verdammt langer, breiter Flur).
Nach einer schnellen Besichtigung ging es nach Hause, es reichte auch, die Hitze und das ständige ein-und aussteigen ins Auto und aus dem Auto schlauchte mich ziemlich.
Angekommen (mittlerweile war es halb 6), brachte ich durch meine Yogaübungen, die ich natürlich noch täglich betreibe, wieder Schwung und Kraft in meinen Körper und Geist, verstärkte das noch durch ein Obstabendbrot mit Joghurt und guckte mit den anderen entspannt einen wahnsinnig merkwürdigen Film (Hart Candy). Damit ist der Tag beendet, gute Nacht =)
Negativstes Erlebnis:
- das zähe Schreiben von gestern hat sich heute wiederholt, ich glaube ich steigere mich in etwas rein...

Tag 20, Schulbesichtigung in Tamil-Nadu

Damit euch auch ja nicht langweilig beim Lesen meiner Berichte wird, fange ich heute Interessanterweise nicht mit unserem Aufstehen am Morgen an, sondern mit dem gestrigen Abend:
Prabhu hatte uns in der Stadt zum Essen eingeladen (super super fettig und super lecker) und auf meinem Zurückspaziergang bin ich, ich weiß es nicht so genau, entweder über meine Schuhe, meinen Rock oder einen Stein gestolpert (mein klingelndes Handy hatte mich völlig aus der Fassung gebracht), zur Freude einer vorbeilaufenden „coole-indische-Typen-Gang“. Ergebnis: Die Gang war erheitert und ich habe 2 aufgeschrammte Knie, super.

Jetzt kehren wir zum Gewohnten zurück, zu viel Abwechslung ist auch nicht gut, und ich erzähle euch meinen heutigen Tag, der um 8 startete (diese Uhrzeiten werden langsam zur Alltäglichkeit). Auf das Obstfrühstück folgte eine 2,5 stündige Fahrt nach Tamil-Nadu, wo wir uns eine weitere Projektmöglichkeit anguckten, es wird konkret...
Die Schule unterscheidet sich extrem von den bisher gesehenen. Es ging schon damit los, dass unsere Besichtigung sehr viel organisierter ablief. Der erste Gang war der ins Direktorenzimmer, wo wir selbigem, mal wieder schweigend, gegenübersaßen und auf unseren Chai warteten, der einfach dazuzugehören scheint. Die Zeit des Herumsitzens vertrieben wir uns damit, Schüler in einem Fernseher zu beobachten (die Klassenräume werden Videoüberwacht, wohl um Spickversuche zu erschweren). Nach 30 Minuten wurde uns unser Tee serviert, 2 Schlucke und der Becher war leer, und es folgte eine Schulführung, bei der wir hinter einem perfekt Englisch sprechenden Inder herliefen, der uns alles zeigte: die Schlafräume (die Schule ist ein privates Internat, wir würden auch dort leben, und dementsprechend größer), den Seisesaal und die Klassen, die wir unterrichten falls wir uns für diese Schule entscheiden. Ein weiterer Unterschied zu den schon besuchten Schulen: die Schüler stürmten nicht laut schreiend auf uns zu, sondern sagten erst „good morning“, nachdem sie von der Lehrerin dazu aufgefordert wurden (wie die Überwachung schon zeigte, scheint es hier gesitteter zuzugehen).
Ich bin ja, zugegebenerweise, kein Mensch dessen Herz blühend aufgeht wenn er ein Kind sieht, aber diese Kinder, erst 3-4 Jahre alt, waren so dermaßen süß, dass mein Herz zumindest Anstalten machte. Verschüchtert und uns mit riesigen Augen anguckend, standen sie auf und führten den Begrüßungsbefehl aus, woraufhin wir uns schon wieder verabschiedeten.
Wieder draußen, kamen uns weitere von diesen kleinen Geschöpfe entgegen, aufgereiht hinter einer Lehrerin hergehend marschierten sie an uns vorbei, was so unglaublich goldig war, dass sich die Knospe in meinem Herzen um bestimmt weitere 3 cm öffnete.
Es folgte die Rückfahrt (jede Schulbesichtigung ist nur ein Hindurchrauschen),auf der wir 2 Stops einlegten. Stop eins war ein Feld und ich weiß jetzt, wie Erdnüsse geerntet werden. Stop zwei war die Polizei und wir hielten den historischen Moment, in dem wir unsere endgültigen Unterschriften unter dieses wochenlang erwartete Dokument setzten, fotografisch fest.
Zuhause angekommen, lernten wir Pascals Freundin kennen, die ein paar Tage mit uns hier wohnen wird, und fuhren in die Stadt, wo Prabhu uns in ein Stoffgeschäft, das gleichzeitig eine Schneiderei ist, führte. Ich fand leider keinen Stoff der mir gefiel und so bin ich zwar um 10€ reicher als die anderen (kann man das glauben, so weit ich es erkennen konnte, richtig guter Stoff, der komplett auf deinen Körper zugeschnitten wird, für insgesamt 10€!!!!), leide aber nach wie vor unter Klamottenmangel...
Mein Stadtzurückspaziergang war nicht ganz so spektakulär wie der gestrige aber immerhin blitze es und alle Lichter gingen aus, woraufhin ich meinen Schritt stark beschleunigte, so schneller Zuhause war und eher das von mir kreierte Abendessen (Papaya, Banane, Apfel, Ganatapfel und etwas Orangenähnliches gemischt mit einem Schuss Honig und Mandelmilch, eigentlich wollte ich Buttermilch haben, aber der Verkäufer war wohl der Meinung, dass Butter und Mandeln das Gleiche sind) genießen konnte, was mal wieder der Bringer war =)
Gesättigt ging ich im Stockdunklen, es war ja Stromausfall, auf Toilette (das erzähle ich nur, weil es echt eine Erfahrung ist auf Klo zu gehen, wenn man so gar nichts sieht).
In netter Runde haben wir uns dann noch unterhalten (nach einem 2ten klärenden Gespräch gestern Abend ist die Stimmung nun hoffentlich endgültig sehr viel besser geworden)und ich habe beim Lichtschein der Taschenlampe geduscht, sehr romantisch. Jetzt bin ich sauber und müde und gehe schlafen, gute Nacht.

Negativstes Erlebnis:
- das Schreiben dieses Berichtes war schrecklich, es hat ewig gedauert und war zäh ohne Ende, ich hoffe das war eine Ausnahme und liegt an der Uhrzeit,es ist 2 Uhr nachts, denn so macht es keinen Spaß =(

Positivstes Ereignis:
- ich glaube dieser Neuanfang ist wirklich ein Neuanfang =)

Sonntag, 19. September 2010

Munnar



ein Markt, das boese Wetter und die Berge im Hintergrund =)

Die Strassensituation



ueberall Dreck, wirklich an jeder Ecke (auch in den Gewaessern) und das oft vermischt mit hungrigen Tieren...;)

Unsere Badezimmersituation


soooo schlimm sind sie gar nicht...

Ein Kuechenkessel



der Beweis: in der Zeit zurueckversetzt =)

stolz auf euch

Wie die Ueberschrift sagt: ich bin soo stolz auf euch, dass ihr so fleissig schreibt =)
Ich freue mich wirklich jedes Mal ueber jeden Kommentar =)

wir alle zusammen



vor unseren voll beladenen "Tellern" auf dem Fest der schwangeren Frau

Ich bemale die schwangere Frau



darf ich praesentieren Yvonne: meine orange Hose

Tag 18, Rueckfahrt

Nachdem wir heute länger geschlafen haben (10 Uhr), ging es an einer Kirche (wunderschön)und einem Friedhof vorbei, was wir beides besichtigten, in die Stadt von Munnar. Ich habe ein paar Geschenke eingekauft, guckt wie wichtig ihr mir seid =) Erst 2,5 Wochen hier und schon in der Stimmung Mitbringsel einzukaufen, sowas...
Nach der regnerischen Shoppingtour warteten wir eine Stunde auf unseren Zurück-nach-Hause-Bus, der sich natürlich verspätete...
Die Fahrt zurück war klasse. Ich ließ den Kopf wieder aus dem Fenster hängen und konnte nochmal, diesmal jedoch nicht so müde wie auf der Hintour, das Bergpanorama genießen. Die Fahrt war etwas schwungvoller als die erste und so rauschten wir, vorbei an einem am Abgrund hängenden Auto (ich fühlte mich danach etwas unsicherer), den Berg hinunter. Erst jetzt, auf der Hinfahrt war es noch dunkler und ich im Dämmerschlaf, konnte ich auch die Schönheit der Landschaft am Fuße des Berges bewundern. Wieder (wie schon der Berg, den ich mit Ronja bewandert hatte) erinnerte sie mich an Amerika, Texas. Ich stellte mir vor, auf einem Pferd durch diese Steppen zu reiten, was ich auf jeden Fall auch einmal machen möchte. Amerika, ich werde kommen!!
Von der Busfahrt könnte ich jetzt wieder viel berichten (ein furchtbar schreiender Helfer des Busfahrers, unzählige Pausen, wobei die Fahrt non-stop gehen sollte, meine 100000 Gefühle,...), aber ich tippe gerade den 4ten Tag in Folge (stichpunktartig entnommen aus meinen Tagebucheinträgen) in meinen Computer (ich konnte ihn natürlich nicht mitnehmen, viel zu schwer) und habe überhaupt keine Lust mehr.
Ich habe das Gefühl, euch 100000 Dinge nicht erzähl zu haben, die für mich wichtig und interessant waren, aber wenn ich weiter alles so ausführlich aufschreibe, fürchte ich, dass ich bald gänzlich die Lust am Schreiben verliere und das geht natürlich gar nicht!!
Trotzdem noch einmal stichpunktartig Dinge, die mir noch einfallen:
- Die Preise waren mal wieder unglaublich (für ein Hoteldoppelzimmer haben wir pro Nacht 250 Rupien gezahlt, 2 Nächte waren wir da, durch 2 geteilt, bedeutet für jeden 250 Rupien=ca.4€!!!)

Gut, viel war das jetzt nicht, ich dachte, wo sie dürfen, sprudeln die Kleinigkeiten nur so aus mir heraus. Aber ich weiß, dass mir noch ganz viel einfällt, wenn ich diesen Bericht gebloggt habe...

Wir haben zwar gerade erst frühen Nachmittag, aber viel werden wir nicht mehr machen, außer in die Stadt gehen, wo ich bloggen werde =), so eine Nacht im Bus schlaucht wirklich...

Negativstes Ereignis:
- ich habe das Gefühl, euch 100000 wichtige Dinge vorenthalten zu haben
- ich habe noch ein Gefühl, ich fuerchte, das tägliche Bloggen über ein Jahr nicht durchzuhalten, ihr müsst mich daran hindern aufzugeben!!!!!!!
- diese Nacht im Bus und die Zugfahrt danach waren fieser als die Hintouren, ich habe die Muskeln in meinen Beinen schwinden gespürt (ja ich weiß, ich bin ein Jammerkind...)

Tag 17, noch eine Tour

Um den Tag zu nutzen, sind wir mal wieder freiwillig um 8 aufgestanden. Ab ging es zum Frühstück in eines der 1000 zur Auswahl stehenden „Restaurants“(Restaurants in Indien sind kleine dunkle Räume, ähnlich des Hexenhäuschens, das ich euch schon beschrieben hatte). War das lecker, schön scharf =)
Danach startete unsere Tour Nr.2, selber Fahrer, andere Route:

1. Stop: Elefantenreiten (die Tiere taten mir verdammt leid, mit ihren Eisenfesseln an den Beinen. Der eine Elefant hatte, glaube ich, eine Verhaltensstörung, angekettet in seinem Unterstand, drehte er sich unablässig im Kreis. Elefanten gehören einfach nicht in Gefangenschaft, schon gar nicht um Touristen durch die Wälder zu tragen, wir verzichteten dann auch dankend)

2. Stop: Wieder eine Aussichtsplattform mit Blick auf einen wunderschönen See (unsere Stops bestanden, wie ihr seht, fast ausschließlich aus Naturspektakeln)

3. Stop: eine überbevölkerte Aussichtsplattform (der Ausblick war nicht ganz so schön, allerdings gab es PFERDE, auf denen Besucher „reiten“ durften, worauf ich schweren Herzens verzichtete, wäre mir doch etwas blöd vorgekommen, eine Runde im Kreis geführt zu werden.)

4. Stop: Elefanten in Freiheit (es waren winzige braune Fleckchen, die ich, bevor sie sich bewegten, für Steine gehalten hatte, wir waren leider zu weit entfernt)

5. Stop: Die Berg-Top-Station (das war der genialste Ausblick, den ihr euch vorstellen könnt, kilometerweit Natur und Berge, sehr schwer in ein Fotos zu fassen)

6. Stop: ein idyllisches Dörfchen, nahe der Top-Station (hier beendeten wir unsere Tour mit einem Tee und Obst in einem Restaurant, wo man draußen sitzen konnte, es also kein Hexenräumchen war. Zu meiner großen Freude gab es auch hier Pferde, die wohl als Packtiere dienten)

7. Stop: wieder im Hotel

Heute beendete ich den Tag mit
- einer warmen Dusche, ich hatte keine Lust, meine Abwehr zu stärken. Man war das schön, duscht mal wochenlang nur kalt und dann wieder warm, ein Erlebnis =)
- und einem verdammt leckeren Abendbrot, das aus Ananas, Bananen (die kleinen natürlich), Kokosnuss und Buttermilch bestand. Ausprobieren, ein Highlight!!!(In einem Glas sieht es besonders gut aus)

Negativstes Ereignis:
- der Neuanfang mit den anderen Mädels ist gescheitert, das hat unser Trip sehr deutlich gezeigt
- der fast andauernde Regen in den Bergen plus Kälte
- aus unserer Bergwanderung ist nichts geworden (oder ich stelle mir einfach etwas anderes unter Wandern vor als die Anderen)

Positivstes Ereignis:
- die Natur
- die Pferde

Tag 16, Ankunft plus erste Tour

Angekommen in Munnar suchten wir uns zu Fuß (natürlich mussten etliche Tuck-Tuck-Fahrer abgewimmelt werden)eine Unterkunft und ich muss sagen, dass ich mir ein indisches Hotel schlimmer vorgestellt hatte. Gut, mit deutscher Hygiene natürlich nicht vergleichbar (das gesamte Bad war dauernass und dauerschmierig, da die Dusche aus einem freischwebenden Duschkopf bestand, die Wolldecken rochen nach sehr altem Schrank, ein doch recht enormer Schimmelfleck zierte die Decke) aber ich denke, für indischer Verhältnisse war es klasse.
Nach der Zimmerinspizierung ging es mit dem hoteleigenen Tuck-Tuck-Fahrer, der gleichzeitig ein Travelführer ist, durch die Berge. Ein Glück lud sich meine Kamera im Hotel (das sogar Strom hatte, was ich auch bezweifelt hatte)so schnell wieder auf, dass sie mitkonnte (ich war natürlich so intelligent und nahm sie mit fast leerem Akku mit auf Reise, was auch bestraft wurde, mir gingen wieder tolle Bilder auf der Hinfahrt, wo der Akku endgültig schlapp machte, durch die Lappen).
Auf der Tour legten wir viele Stops ein:

1. Stop: ein Wasserfall, nicht sooo beeindruckend, trotzdem schoss ich mindestens 10000 Fotos

2. Stop: ein Wasserfall, schon beeindruckender, entsprechend mehr Fotos wurden gemacht

3. Stop: eine Aussichtsplattform. Der Blick war ein absoluter Traum und wir genossen ihn mit einem Tee in der Hand

4. Stop: ein Gewürzgarten (z.B. konnten wir Ingwerpflanzen, Zimtbäume, Kakaofrüchte, eine Babyananas, Pfefferranken und viel mehr bewundern. Auf Englisch wurden uns dann die biologischen Details erklärt, die mich allerdings nicht überdoll interessierten, sodass sich meine Erkenntnis verstärkte, kein Bio studieren zu wollen)

5. Stop: ein Wasserfall plus Dschungelwanderung (die Geräusche und Umgebung ensprachen zumindest etwas meiner Dschungelvorstellung. Ich kam mir ein bisschen vor wie ein gestrandeter Tourist, der sich durch den Urwald schlagen muss)

Unsere Tour führte zwischen den Stops an Teeplantagen vorbei(die anständig gespritz wurden, ich war leicht entsetzt), aus denen die gesamten Berge zu bestehen scheinen, zumindest sehr große Teile. Die Arbeiter, die die Teeblätter pflücken, tuen das, nach unserem Guide, jeden Tag stundenlang, das ist wirklich bewundernswert, diese ständige gebückte Haltung muss wahnsinnig anstrengend sein und reich wird damit keiner der Pflücker. Erkenntnis: einige Menschen haben es verdammt schwer im Leben!

Nach unserer Tour war ich, wie schon die gesamte Zeit, seehhhr müde (man bedenke unsere Busnacht)und beendete den Tag dann auch recht schnell mit der kältesten Dusche meines bisherigen Lebens. Leider wusste ich nicht, dass man auch warmes Wasser bestellen konnte und so duschte ich bei offenem Fenster (es ließ sich leider nicht schließen), einer Außentemperatur von vielleicht 15 Grad und Regen, also echtem deutschen Herbstwetter. Leider hatte ich (Horst) natürlich keine warmen Klamotten mit (ich dachte Indien kennt kein Schmuddelwetter, an die Berge dachte ich natürlich nicht) und schlüpfte so nach der erfrischenden Dusche in ein T-Shirt und meine vom Matsch durchweichten (Dschungelwanderung...)Lederschuhe. Sehr angenehm war das...
Nun sitze ich hier auf dem Bett, in die wahrscheinlich noch nie gewaschene Wolldecke eingewickelt, höre draußen die Frösche quarken oder Grillen zirpen (wie die Anderen meinen)und beende meinen Bericht, gute Nacht.

Negativstes Ereignis:
- Aufgrund meiner verdammt unorganisierten Art laufe ich mit den absolut falschesten Klamotten durch die indischen Berge und muss frieren

Tag 15, auf nach Munnar

Bevor wir unsere Reise nach Munnar starteten, unser erster großer Ausflug, ging es leider doch nicht zum aller-aller-aller-letzten Mal zur Polizei, sondern zum hoffentlich vorletzten Mal.... Die Papiere sind fertig (echt war), nur leider fehlte dieses Mal die Person, die sie noch unterschreiben muss...
Da unsere Sachen für den 3-Tagesausflug schon almost ready gepackt waren, unser Zug um 2 fuhr und es erst 11 war (jaaaa, wieder umsonst so früh wegen der Polizei aufgestanden), tuckerten die Anderen im Tuck-Tuck und ich, wieder mal Bikerbraut, verdammt cool, hinter Prabhu auf seinem Motorrad, zu einer weiteren Schule in KGF (ich weiß gar nicht, ob ich schon erwähnt habe, dass das unser Zuhause-Dorf ist?), die uns als Projekt zur Auswahl steht. Die Schule unterscheidet sich nicht großartig von Pascals Arbeitsstelle, nur gibt es zusätzlich eine sehr redefreudige Lehrerin mit einem sehr lauten Organ, die abwechselnd auf Englisch und Tamil von meinen Bergausflügen berichtete (ich sag ja, man ist niemals unbeobachtet). Ihre Storys (sie hat es nicht nur einmal erzählt)endeten jedesmal mit einem „not good“, was Prabhu nickend mit einem weiteren „not good“ bestätigte...
Ja..Ich habe es dann auch verstanden, danke.
Die Schulbesichtigung beendeten wir mit einem Warten auf einen Chai. Nach 45 Minuten zweifelte ich an seinem Erscheinen, irrte mich, er kam wirklich noch und war auch sehr lecker. Froh war ich dann trotzdem, als wir das wartende, recht schweigende Zusammensitzen mit der Schuldirektorin, die kaum Englisch sprechen kann und von Prabhu immer übersetzt werden musste, aufhoben und unseres Weges gingen. Oder fuhren, es ist nicht möglich, in Indien 3 Schritte zu laufen ohne von einem Tuck-Tuck-Fahrer angehalten zu werden, oder wie in diesem Fall, von Prabhu auf seinem Gefährt mitgenommen zu werden (dieses Mal saßen wir zu 3 auf seinem Moped, war sehr cool)
Wieder Zuhause, aßen wir natürlich noch (ich erwähne mal nicht, dass ich viel zu viel gegessen habe)und dann ging es plus Gepäck die 10 Schritte zu Fuß zum Bahnhof. Die Zugfahrt war sehr viel netter als unser erstes Erlebnis mit der indischen Bahn, ich hatte sogar einen Platz auf der Gepäckablage und vertrieb mir die 2,5 Stunden damit, darüber nachzudenken, was ich denn studieren möchte, falls ich denn studieren möchte (ohne Erfolg).
Von Bangalore ging es weiter mit einem Bus zum Endziel: Munnar. 13 Stunden durch die Nacht und den Morgen. Trotz der Schlangenlinien, teilweise miesen Bremsaktionen des Fahrers (Fahrstil der Inder) und diversen Speed-Breakern, konnte ich recht gut schlafen (in wie weit gut so ein verdrehter Sitzschlaf eben sein kann)und wachte rechtzeitig wieder auf, als wir in die Berge kamen. Was für ein Panorama. Wunderschön!!! Allerdings hatten die Berge auch ihre Nachteile: ich litt zeitweise unter der Angst, mitsamt des Busses und anderer Insassen kilometerweit in die Abgründe zu stürzen: Die Bergstraßenbreite war nicht sehr breit und die Kurven schaffte der Bus manchmal erst im dritten Anlauf, wobei es noch unnetter ist, rückwärts auf die Schlucht zuzurollen als vorwärts...
3,5 Stunden ging es also den Berg hoch und immer höher, bis in die Wolken! Komischerweise war mir kaum schlecht. Übergeben musste sich jedoch eine Inderin, die ungünstigerweise ein paar Sitze vor mir saß und auch aus dem Fenster guckte. Dank meiner enormen Reaktion bekam ich aber nur ein paar Spritzer ab, was auch völlig ausreichte.
Die weitere Busfahrt verlief, natürlich abgesehen von der Fahrweise und einigen freien unscheuen Affen, ereignislos und damit beende ich den heutigen Bericht.

Negativstes Ereignis:
- so viel und lange Sitzen macht mich wahnsinnig...

Tag 14, nichts passiert

Wenn an einem Tag so überhaupt nichts passiert, könnte ich ihn natürlich auslassen, aber für euch hole ich alles heraus =)
Okay, ich wühle mal meine Gedanken durch...
Aufgestanden, gefrühstückt (ich will nicht meckern, aber ich hatte schon besseres Essen hier, die Idlis, keine Ahnung wie das Wort geschriebenen wird, sind recht geschmacksneutral und die Soße riss mich auch nicht vom Boden, meine geliebte Schärfe hat gefehlt, positiv war natürlich, dass ich deswegen nicht zu viel gegessen habe, trotzdem war es mehr als nötig...), zur Polizei, unsere Dokumente unterschrieben (es geht voran, morgen geht’s das alleralleralleraller letzte Mal zu unseren Freunden und Helfern und ich hoffe, dann muss ich nie wieder zu einer indischen Polizeibehörde und dort wertvolle Lebenszeit verschwenden), in die Stadt (ich habe natürlich wieder fleißig gebloggt und freue mich jedesmal, von euch zu hören =), von der Stadt zurück (heute war es schon stockdunkel, was ich sehr angenehm fand, die Leute erkennen nicht sofort, wie wichtig ich bin und wenn doch, merke ich ihre Blicke nicht so stark).
Ohje, mein Tagesbericht ist schon zuende und ich habe gerade mal ein Drittel der Seite beschrieben, na mal schauen was mir noch einfällt...
Ich greife einfach schonmal vor: Morgen geht’s auf große Tour, drei Tage sind geplant, die wir in einer anderen Stadt verbringen wollen, wo es schöne Natur geben soll und man auch wandern kann (bedeutet BEWEGUNG, mein Berg-Verbot bekommt mir überhaupt nicht...). Die Hinfahrt wird höchstwahrscheinlich verdammt anstrengend, da wir die gesamte Nacht im Bus verbringen (wofür wir umgerechnet 6€ bezahlt haben), aber davon werde ich natürlich berichten.
Ich bin nur froh, dass Marie gerne organisiert, ich bin da sehr untalentiert, und glaube, wenn ich so eine Tour planen würde, würden wir letztendlich hierbleiben müssen.
Themawechsel: ich habe etwas zu beichten: ich hatte einen Zuckerfressanfall (2 Pralienen, eine hat 62 Kalorien, 2 Rippchen Schokolade und undefinierbar viele, es waren ca.100000, Schokolinsen. Man hab ich mich hinterher schlecht gefühlt), verzichte deshalb aufs Abendessen (es riecht verdammt lecker...) und werde höchstens noch eine Banane essen. So viel Zucker und so wenig Bewegung geht gar nicht...
Man sagt ja, dass man trinken sollte wenn man den Drang hat zu essen, weil er dann oft verschwindet. Tja, das ist leider gerade nicht möglich, unser Trinkwasser ist uns ausgegangen, finde ich nicht so witzig, zusätzlich zu dem Essensdrang habe ich nämlich wirklichen Durst. Nagut, was nicht da ist, kann auch nicht getrunken werden (Ich habe zwar noch einen Whiskey im Koffer, den wir als Gastgeschenk für Prabhu aussortiert haben, da es sonst zu viel geworden wäre, man soll es ja auch nicht übertreiben, aber ich weiß nicht...)
Nun vom Schönen (Nahrung) zum Schlechten (Putzen), keine Panik, es wird auch nur ein Satz: Gerade war hier groß Zimmerputzen angesagt und ich habe mich fein herausgehalten, ich steh beim Aufräumen eh nur im Weg herum und da finde ich es sinnvoller, euch meinen Tag zu erzählen, der sich nun stark dem Ende zuneigt.
Mal schauen, vielleicht gucken wir noch ein Filmchen (gestern haben wir „das weiße Band“ geguckt, das Ende war schrecklich, der Film ansonsten wirklich sehr gut, schaut ihn euch an =)
Soo, ich beende nun den Bericht mit den 100000 Neuigkeiten und hoffe, euch mehr Interessantes von unserem Ausflug erzählen zu können, wovon ich aber ausgehe.

Negativstes Ereignis:
- nichts zu trinken!!!
- Zuckerschock
- Verzicht aufs Abendessen

Dienstag, 14. September 2010

Tag 13, das Leben hier, ein erster Vergleich

Heute ist kaum etwas Neues passiert, außer:
- Mit Maries Visum ist nun endlich alles geklärt, nachdem sie und Prabhu deswegen den ganzen heutigen Tag in Bangalore verbracht haben. Wir können also bald mit unseren Projekten loslegen =)
- Ich habe ein Berg-Verbot von Ahmu, Prabhus Frau, bekommen, sie denkt dass meine Ausflüge zu gefährlich sind, weil wohl ab und zu betrunkene Leute auf MEINEM Berg herumgeistern =/
- auf meinem Spaziergang zurück von der Stadt habe ich Prügelfantasien, einen beinahe-Ausraster, eine innerliche Explosion und Mordgedanken überwunden. Dieses ständige Gaffen und Starren der Leute ging mir so dermaßen auf den Geist, dass mich auch ein freundliches „hello“ der Kinder nur näher ans Platzen meiner Nerven brachte. Sorry, ich bin vielleicht ein schlechter Mensch, aber das war mir ziemlich egal.
- ich bin nun schon auf Seite 67 meines Harry Potter Buches (wir hatten gaaaaanz viel Zeit heute) und habe das Gefühl, dass ich mir keine Vokabel merken kann...

Jap, das war es an aufregenden Neuigkeiten und weil das recht wenig ist, schreibe ich mal auf, was mir an Unterschieden zwischen Deutschland und Indien in diesen ersten 2 Wochen aufgefallen ist.

- die Straßensituation ist das reinste Chaos ^^
- Atmen in der Stadt bedeutet, sich zu vergiften
- anstatt zu nicken wackeln die Inder mit dem Kopf
- fast ALLE Maenner tragen einen Schnurrbart, auch die ganz jungen, furchtbar!!
- Ziegen, Kühe, Hunde und (freie) Hühner geistern wirklich Überall herum
- gegessen wird auf dem Boden und mit den Händen
- Inder sind viel offener als Deutsche, ständig wirst du von allen (Leuten im Bus, im Zug, auf der Straße, bestimmt auch im Wald) alles gefragt
- männliche Freunde laufen hier Hand in Hand und Arm in Arm herum (ähnlich wie sich einige Mädchen in Deutschland verhalten, nur extremer und man sieht es häufiger)
- die Toiletten und Badezimmer unterscheiden sich natürlich sehr ;) (wobei so ein Loch im Boden sehr viel hygienischer ist als ein Klositz, auf den sich jeder heraufsetzt)
- gelebt wird hier im Dorf in winzigen Häusern mit gesamten Familien, weshalb es so ziemlich gar keine Privatsphäre für irgendwen gibt
- ständig wird gefeiert (Tempelfeste, Feuerwerke, Zeremonien,...)
- die Preise auf dem Dorf sind lächerlich (wie gesagt, mein Rock hat umgerechnet 80 Cent gekostet...), aber es fühlt sich ziemlich komisch an, einen 50 Rupienschein (60 Rupien=1€)aus der Hand zu geben und dafür eine Ananas, 5 Granatäpfel, einen Strung Weintrauben und drei Äpfel zu bekommen (was für weniger als 1€ natürlich verdammt viel ist). Wie müssen sich die Leute bei der Inflation gefühlt haben..??
- es gibt hier um einiges mehr Krabbeltierchen (Kakerlaken und Undefinierbares mit Beinen oder ohne Beine)
- das Essen ist viiiieeeeel leckerer ;)
- alles (Straßen, grüne Fleckchen, einfach alles) ist stark vollgemüllt

Die Unterschiede klingen jetzt zwar nicht so viel, aber das liegt daran, dass man das Leben hier nicht gut in Worte fassen kann. Auch ist es schwer, bzw. unmöglich, Fotos zu machen, die es darstellen können. Fotos zeigen nur einen Ausschnitt, aber man muss das Ganze sehen, um es richtig zu sehen. Allgemein kann ich sagen, dass es mir etwas vokommt, als würde ich in vergangenen Zeiten leben (der technische Fortschritt ist bei den Computern und meisten Fahrzeugen noch nicht angekommen, die Wohnsituationen, inklusive sanitärer Anlagen, könnten vor einigen hundert Jahren so ausgesehen haben, ebenso die Kleidung der Frauen,...).
Ich bin gespannt, wie es in anderen Teilen Indien aussieht, die ich noch kennen lernen werde =)

Tag 12, viele Feste und ein Berg

Heute ist Sonntag, Lataka hatte also frei, heißt: kein Frühstück für uns.
Wir sind also Essen gegangen. Wenn ihr euch das vorstellt, tut es aber nicht deutsch sondern indisch. Oder noch besser: stellt euch eine Hexenküche vor. Ziemlich düster, drei Holztische mit Bänken, dampfende Kessel („Küche“ und Essensraum war eins), Wände aus Stein. Hatte was Gemütliches, aber wer viel Wert auf Hygiene legt, hätte wohl die Gemütlichkeit nicht geschätzt. Der „Koch“ sah mehr als dreckig und schwitzig aus, Hände wurden lässig am Handtuch, das er statt einer Hose trug und schon recht braun aussah, abgewischt. Ich weiß auch nicht, wie die Teller abgewaschen werden, kann mir aber gut vorstellen, dass sie einmal kurz in kaltes Wasser getaucht werden. Mir egal, ich hatte Hunger und es hat klasse geschmeckt. In diesem, ähm,“Restaurant“ galt das Motto: es wird gegessen was auf den Tisch kommt. Eine Auswahl hatten wir nicht, jeder Gast bekam einfach das gleiche Essen vorgesetzt: ein chapati-ähnliches Brot, ziemlich fettig gebraten und die übliche recht scharfe Soßentunke dazu. So ein herzhaftes Frühstück ist um Klassen besser als ein Honigweißbrot (auch wenn das natürlich auch super schmeckt). Gestärkt ruhten wir uns dann nach einem Marsch von 1 Minute Zuhause aus (ausruhen ist irgendwie unpassend).
Ein Stündchen später ging es zu einer Feier. Ich habe das so verstanden, legt mich aber nicht darauf fest, dass eine Frau, die im sechsten Monat schwanger ist, zu den Eltern ihres Mannes zieht und dort bleibt, bis das Kind geboren und ein paar Wochen alt ist. Dieser Umzug wird wie eine Zeremonie gefeiert. Wir waren eingeladen und durften die Frau im Gesicht mit Farbe betupfen, ihr einen Armreifen überstreifen und ihr Blumen aufs Haar legen. Nachdem wir alle (außer Pascal, Männer haben damit wohl nichts zu tun) diesen Durchgang beendet hatten, ging es ans Essen. Wir bekamen ein Bananenbaumblatt vorgesetzt, auf das eine Schaufel Reis, wieder chapati-ähnliche Brote, diverse gut gewürzte Soßenpampen, ein Schälchen mit Buttermilch und ein Gebäckstückchen (ich glaube das war einfach gebackener Zucker)gefüllt wurde. Das war nicht zu wenig, aber für mich natürlich kein Problem (Pascal und ich waren die Einzigen, die alles aufgegessen haben...). So ein Fest in Indien bedeutet Essen, danach kann man gehen, was wir auch taten.
Am Nachmittag, nach einem üblichen Stadtbesuch, gingen Ronja und ich (die anderen sind starke Bewegungsmuffel) spazieren, mit dem Ziel einen Berg zu erklimmen (einen anderen als meinen gewohnten). Wir fanden sogar den Weg und krabbelten hinauf. Oben angekommen hatten wir einen Wahnsinns-Blick über Indien. Zusammen mit der untergehenden Sonne hätte das Traumbilder gegeben, aber ich bin Horst und hatte natürlich die Kamera nicht dabei. Schön war es trotzdem, der Berg oben sieht aus wie eine texanische Landschaft ohne Kakteen. Ist schwer zu beschreiben, ich werde das Fotografieren nachholen :)
Viel zu viel gegessen, war ich für jede Bewegung dankbar und so gingen wir alle am Abend noch zu einem Tempelfest (wie gesagt, es wird ständig irgendwas gefeiert, ich glaube heute ging die Fastenzeit irgendeiner Religion zuende). Es wurde gebetet und die Skulptur des Tempels gesegnet. Hinterher wurde gesungen, ein kleines Theaterstück aufgeführt (logischerweise verstanden wir nur Bahnhof), und Leute wurden geehrt (ich glaube das waren Personen, die die Fastenzeit ohne irgendwelche Rückfälle, knallhart durchgezogen haben). Uns fanden natürlich wieder alle höchst interessant, sodass ich wieder Gelegenheit hatte, mein Englisch zu testen (es darf gerne noch besser werden...).
Zwischendurch fiel der Strom aus, daran gewöhne ich mich aber langsam, kommt hier doch recht häufig vor und es war auch kein Problem, alle lachten (die Stimmung war allgemein sehr fröhlich) und holten die Handys als Lichtquelle heraus. Nach 1,5 Stunden gingen wir (unter lauten Bye-Rufen), da wir meinen herausgehört zu haben, dass das Fest möglicherweise die ganze Nacht dauert. Dafür waren uns allerdings die Sitzpositionen zu unbequem (alle saßen auf dem Boden) und so fuhren wir stattdessen nach Hause und beendeten den Tag.

Negativstes Ereignis:
- keine Kamera auf dem Berg dabei (man, das ärgert mich wirklich)
- ich habe keine Selbstbeherrschung (allerdings habe ich kein Abendbrot gegessen :)

Tag 11, erster Ausflug

Der Tag startete wie der eines abgeklärten, nicht zu erschütternden Farmers:
früh und mit einem anständig eiskalten Duschgang an einem kalten Morgen (auch in Indien gibt es Temperaturen unter 20 Grad, gefühlt zumindest). Damit enden die Gemeinsamkeiten dann auch, wir gingen nicht an die harte Morgenarbeit, sondern dudelten enspannt (wir hatten viel zu viel Zeit, sind viel zu früh aufgestanden...)zur Bushaltestelle. Geplant: eine Fahrt nach Bangapet, um von dort mit einem anderen Bus nach Bangalore zu touren (Hauptstadt Karnatakas und unser Ankunftsort). Unser Bus zum ersten Ziel war ziemlich normal. Zwar fuhr er natürlich mit offenen Türen und ich glaube kaum, dass er irgendeinem deutschen Sicherheitsstandart entspricht, aber sonst gibt es über ihn nichts interessantes zu erzählen. Unser Umsteigebus nach Bangalore war da schon cooler. Ein Partybus. Bunt geschmückt mit Lichterkettchen und zwei Fernseheapparaten, deren Lautstärke glaube ich auf Anschlag gedreht war. Man war das laut, nichts gegen unsere Discos...Nach der Hälfte der Fahrt (wir fuhren ca.2,5 Stunden) hatte aber jemand erbarmen mit uns und drehte die Geräusche (darunter welche, die wohl auch Fledermäuse gehört hätten) dieses schrecklichen Filmes leiser. Daraufhin schlief ich den Rest der Fahrt.
Angekommen ging es ans Schoppen. Man braucht hier schon mehr zum Wechseln als 2 Hosen und 5 T-Shirts. Die Temperatur ist zwar konstant angenehm, aber trotzdem bist du oft am Schwitzen, folglich stinkt alles sehr schnell. Abgesehen davon brauche ich Abwechslung von meinen roten T-Shirts (wie kann man auch so horstig sein und fast nur rotes Zeug einstecken...). Ergebnis des Einkaufs: ein blaues recht indisches Oberteil plus eine orange Leggins, passend dazu. Sehr chic :)
Es folgte ein Mittagssnack, ein „Sandwich“, bestehend aus drei übereinander geklappten Toasts mit einer halben Scheibe Käse, drei Tomaten- und zwei Gurkenscheiben. Aber wenn es ums Essen geht, habe ich keinerlei Anspruch (ich esse ALLES zu jeder Zeit) und so hat es dann auch etwas geschmeckt.
Weiter ging es mit einem meiner geliebten Tuck-Tucks, es ist wirklich witzig, zu 5t auf einer Rückbank zu sitzen, die für maximal drei schlanke Personen ausgelegt ist ^^, zu einem Park. Park klingt super dachte ich, und stellte mir ein lauschiges Naturplätzchen vor. Es war dann auch ganz nett, ein paar Bäumchen mit Erdhörnchen drauf gab es. Das pure Naturerlebnis war es dann aber doch nicht. Zu müllig, zu menschig und zu normal. Ein deutscher Park inklusive viel Dreck und vielen Leuten. Zeitweise kam ich mir vor, wie eine hübsche, auf einer einsamen Lichtung im Wald im untergehenden Sonnenlicht stehende Eiche mit einem grünen Eichhörnchen drauf. Ständig wollte uns jemand fotografieren. Einige sparten sich das Fragen und taten es einfach heimlich. Wenn du willst, kannst du dir einbilden, dass du ein Promi oberster Liega bist. Aber abgesehen vom Parkerlebnis, fallen wir in Bangalore weniger auf als bei uns in Kolar Gold Fields. Die Menschen sind viel westlich gekleidet und verhalten sich auch so. Z.B liefen einige Pärchen händchenhaltend durch die Gegend, was in den Dörfern, die das echte indische Leben repräsentieren, ausgeschlossen ist. In Bangalore gibt es sogar Subway und Mc Donalds, nicht sehr indisch ;)
Sehr indisch war dann allerdings der Tempelbesuch. Nach langem Suchen fanden wir den Bulltempel und waren geschockt über die Menschenmassen. Als Weiße hatten wir jedoch den Vorteil, dass wir nicht stundenlang (es wäre wirklich stundenlang gewesen) anstehen mussten, sondern gleich hinein durften. Jetzt kann man sich natürlich fragen, ob es richtig ist, diese Bevorzugungen auszunutzen, oder wie würden wir uns in Deutschland fühlen, wenn Menschen, nur aufgrund einer anderen Nationalität, wie Könige behandelt werden. Gut, wir taten es trotzdem und wurden in die Schlange hineingeschoben. Es war ein bisschen wie in der Mensa. Teller (hier war es etwas Blattähnliches)in die Hand, weitergehen, Essen draufgeklatscht (gewürzter Reis mit irgendwelchen Beilagen in der Soße), weitergehen, noch mehr Essen draufgeklatscht (Zuckerbällchen und Nüsse), weitergehen. Wir hatten die Befürchtung, dass wir dieses lecker aussehende Mahl opfern müssen, ich verabschiedete mich also in Gedanken schon von einem Abendessen. Falsch gedacht, wir durften es essen. Scharf und sehr lecker, es kam aber trotzdem nicht gegen unseren halben Maiskolben an, den wir vorher als Snack auf der Straße gegessen hatten. Satt und zufrieden bahnten wir uns unseren Weg zurück durch die Massen zu unseren Schuhen, die wir vorher ausziehen mussten. Der Tempelabstecher bestand also aus dem Essen, einer geschmückten Kuh-Skulptur, einem kleinen Markt im Hof des Tempels und vielen vielen hübsch gekleideten Menschen.
Bald ging es im Tuck-Tuck zum Bahnhof. Und damit beginnt der spannendste Teil des Tages. Zugfahren. Dieselbe Menge an Menschen im Bahnhof wie vorm Tempel, dauerte es erstmal etwas bis wir unsere Fahrkarten kaufen konnten. Aus ihnen ging dann leider nicht hervor zu welchem der 1000 Gleise wir mussten, aber Pascal, unser Indienführer, bekam es dann nach stundenlagem Fragen, hin- und herlaufen und noch mehr hin-und herlaufen heraus und so standen wir am richtigen Gleis, mit uns 10000000 andere Menschen. Ich habe gezählt, es waren wirklich 10000000. Der Zug kam und alle von diesen 10000000 Personen wollten gleichzeitig, verteilt auf vielleicht 10 Eingänge, hinein. Geschoben durch die Masse, landete ich irgendwann sogar wirklich im Zug. Ich war so sicher gewesen, nicht mehr hineinzupassen. Aber ich habe etwas gelernt: wenn du glaubst dass kein Einziger mehr hineinpasst, passen noch 10 Weitere. So fuhren wir dann 2 Stunden, eingekeilt zwischen alten und jüngeren Männern (keine Ahnung wo die Frauen waren), in der Nähe der offenen Tür (sehr gefährlich, bei dem Gedränge ist es nicht ausgeschlossen hinauszufallen) und der Toilette (ein Glück waren die Zugtüren auf).
So viele gesprächsfreudige Inder um einen herum, blieben die Gespräche natürlich nicht aus. Es ist zwar langweilig, ständig dasselbe zu erzählen (where are you from?, how is the stay in India?, you like the foot? what are you doing?...), aber so versuche ich zu lernen, wie man das Inderenglisch versteht. Ein paar Sätze von meinem Gesprächspartner habe ich dann auch verstanden. Yes, ein Erfolgserlebnis, es ist aber auch frustrierend, ständig die Schultern zucken zu müssen.
Die 2 Stunden gingen schnell vorbei, ich frage mich warum, die Stehposition war nicht sehr bequem und ich hatte ständig Angst, zerquetscht zu werden. Aber wahrscheinlich waren die Eindrücke wieder so stark und es passierte auch immer irgendwas. Neue Leute stiegen ein, keiner aus, es wurde gedrängelt (dauernd wollte jemand auf das Klo, es hangelte sich sogar ein sportliches Kerlchen von seinem Platz auf der Gepäckablage über uns herüber zur Toilette. Scheint echt dringend bei einigen Personen zu sein...), geredet, geschwitzt und irgendwann kamen wir dann an.
Normal soll der Zug-Zustand aber nicht gewesen sein, es lag wohl hauptsächlich an einem Feiertag (in Indien gibt es allerdings immer irgendeine Person, einen Gott oder sonst etwas, das gefeiert wird)
Die Busfahrt zurück nach Kolar Gold Fields stand im Gegensatz zur Zugfahrt. Ich stand in der offenen Tür und lies mir den Fahrtwind (es war eine schnelle Fahrt in einer regnerischen Nacht) durchs Gesicht und Haare pusten.
Um halb 12 waren wir dann Zuhause und beendeten den schönen Tag mit dem Essen einer Papaya.

Negativstes Erlebnis
- Angst zerquetscht zu werden oder eines anderen ähnlichen Todes zu sterben
- der Gestank im Zug

Positivstes Erlebnis:
- der restliche Tag
- besonders eine tolle Tuck-Tuckfahrt im Dunkeln (zum Bahnhof in Bangalore)
- die Zurück-Busfahrt