Mittwoch, 22. September 2010

Tag 20, Schulbesichtigung in Tamil-Nadu

Damit euch auch ja nicht langweilig beim Lesen meiner Berichte wird, fange ich heute Interessanterweise nicht mit unserem Aufstehen am Morgen an, sondern mit dem gestrigen Abend:
Prabhu hatte uns in der Stadt zum Essen eingeladen (super super fettig und super lecker) und auf meinem Zurückspaziergang bin ich, ich weiß es nicht so genau, entweder über meine Schuhe, meinen Rock oder einen Stein gestolpert (mein klingelndes Handy hatte mich völlig aus der Fassung gebracht), zur Freude einer vorbeilaufenden „coole-indische-Typen-Gang“. Ergebnis: Die Gang war erheitert und ich habe 2 aufgeschrammte Knie, super.

Jetzt kehren wir zum Gewohnten zurück, zu viel Abwechslung ist auch nicht gut, und ich erzähle euch meinen heutigen Tag, der um 8 startete (diese Uhrzeiten werden langsam zur Alltäglichkeit). Auf das Obstfrühstück folgte eine 2,5 stündige Fahrt nach Tamil-Nadu, wo wir uns eine weitere Projektmöglichkeit anguckten, es wird konkret...
Die Schule unterscheidet sich extrem von den bisher gesehenen. Es ging schon damit los, dass unsere Besichtigung sehr viel organisierter ablief. Der erste Gang war der ins Direktorenzimmer, wo wir selbigem, mal wieder schweigend, gegenübersaßen und auf unseren Chai warteten, der einfach dazuzugehören scheint. Die Zeit des Herumsitzens vertrieben wir uns damit, Schüler in einem Fernseher zu beobachten (die Klassenräume werden Videoüberwacht, wohl um Spickversuche zu erschweren). Nach 30 Minuten wurde uns unser Tee serviert, 2 Schlucke und der Becher war leer, und es folgte eine Schulführung, bei der wir hinter einem perfekt Englisch sprechenden Inder herliefen, der uns alles zeigte: die Schlafräume (die Schule ist ein privates Internat, wir würden auch dort leben, und dementsprechend größer), den Seisesaal und die Klassen, die wir unterrichten falls wir uns für diese Schule entscheiden. Ein weiterer Unterschied zu den schon besuchten Schulen: die Schüler stürmten nicht laut schreiend auf uns zu, sondern sagten erst „good morning“, nachdem sie von der Lehrerin dazu aufgefordert wurden (wie die Überwachung schon zeigte, scheint es hier gesitteter zuzugehen).
Ich bin ja, zugegebenerweise, kein Mensch dessen Herz blühend aufgeht wenn er ein Kind sieht, aber diese Kinder, erst 3-4 Jahre alt, waren so dermaßen süß, dass mein Herz zumindest Anstalten machte. Verschüchtert und uns mit riesigen Augen anguckend, standen sie auf und führten den Begrüßungsbefehl aus, woraufhin wir uns schon wieder verabschiedeten.
Wieder draußen, kamen uns weitere von diesen kleinen Geschöpfe entgegen, aufgereiht hinter einer Lehrerin hergehend marschierten sie an uns vorbei, was so unglaublich goldig war, dass sich die Knospe in meinem Herzen um bestimmt weitere 3 cm öffnete.
Es folgte die Rückfahrt (jede Schulbesichtigung ist nur ein Hindurchrauschen),auf der wir 2 Stops einlegten. Stop eins war ein Feld und ich weiß jetzt, wie Erdnüsse geerntet werden. Stop zwei war die Polizei und wir hielten den historischen Moment, in dem wir unsere endgültigen Unterschriften unter dieses wochenlang erwartete Dokument setzten, fotografisch fest.
Zuhause angekommen, lernten wir Pascals Freundin kennen, die ein paar Tage mit uns hier wohnen wird, und fuhren in die Stadt, wo Prabhu uns in ein Stoffgeschäft, das gleichzeitig eine Schneiderei ist, führte. Ich fand leider keinen Stoff der mir gefiel und so bin ich zwar um 10€ reicher als die anderen (kann man das glauben, so weit ich es erkennen konnte, richtig guter Stoff, der komplett auf deinen Körper zugeschnitten wird, für insgesamt 10€!!!!), leide aber nach wie vor unter Klamottenmangel...
Mein Stadtzurückspaziergang war nicht ganz so spektakulär wie der gestrige aber immerhin blitze es und alle Lichter gingen aus, woraufhin ich meinen Schritt stark beschleunigte, so schneller Zuhause war und eher das von mir kreierte Abendessen (Papaya, Banane, Apfel, Ganatapfel und etwas Orangenähnliches gemischt mit einem Schuss Honig und Mandelmilch, eigentlich wollte ich Buttermilch haben, aber der Verkäufer war wohl der Meinung, dass Butter und Mandeln das Gleiche sind) genießen konnte, was mal wieder der Bringer war =)
Gesättigt ging ich im Stockdunklen, es war ja Stromausfall, auf Toilette (das erzähle ich nur, weil es echt eine Erfahrung ist auf Klo zu gehen, wenn man so gar nichts sieht).
In netter Runde haben wir uns dann noch unterhalten (nach einem 2ten klärenden Gespräch gestern Abend ist die Stimmung nun hoffentlich endgültig sehr viel besser geworden)und ich habe beim Lichtschein der Taschenlampe geduscht, sehr romantisch. Jetzt bin ich sauber und müde und gehe schlafen, gute Nacht.

Negativstes Erlebnis:
- das Schreiben dieses Berichtes war schrecklich, es hat ewig gedauert und war zäh ohne Ende, ich hoffe das war eine Ausnahme und liegt an der Uhrzeit,es ist 2 Uhr nachts, denn so macht es keinen Spaß =(

Positivstes Ereignis:
- ich glaube dieser Neuanfang ist wirklich ein Neuanfang =)

Kommentare:

  1. Liebe Carina!
    Ich drücke die Daumen und wünsche Dir so sehr, dass der Neuanfang tatsächlich ein Neuanfang ist.
    Müsst ihr euch eigentlich als Gruppe alle für das gleiche Projekt entscheiden oder könnte es sein, dass ihr euch verschiedene Projekte aussucht? Würde mich mal interessieren... =)
    Das Wetter heute ist bombig! Sonne satt, 20°C, laues Lüftchen. Herrlich! Ich gehe mal davon aus, dass Ineke heute nach dem Unterricht noch eine Runde "um den Block" reitet mit Gulli. Ach so - und natürlich legen wir (zusammen mit Sonja) wieder eine Carina-Gedenk-Minute ein. =)
    Dicken Drück!

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  2. Dear Carina,
    imagine, i made the acqaintance of a german author who worked quite a long time in tamil nadu. he was director of a social group who worked in the same field as we do. i met him on my business trip last week. when i told him that i'm a translator he gave me a present: a small english-bali dictionary which he had written. i was very pleased. his name is günter spitzing. he is already 79 years old and still very active. his motto was: never cool, firy forever. Perhaps this could be our motto too. i would love it. hope you're fine. say hello to the people around you. kiss you annette

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